Beastie Boys: „Ill Communication“ wird 25

Cover von „Ill Communication“ von Beastie Boys

Beastie Boys – „Ill Communication“ (1994)

In dem im Oktober 2018 erschienenen „Beastie Boys Buch“ beschreibt Michael „Mike D“ Diamond die Atmosphäre, als seine Band für ihr viertes Studioalbum „Ill Communication“ in die kalifornischen G-Sound-Studios einzog. Wenn das New Yorker Trio nicht Samples zusammenklebte, Reime konstruierte oder Instrumente aufnahm, verbrachte sie viel Zeit mit Basketball – oft unter dem Einfluss von Magic Mushrooms. Manchmal kamen Jungle-Brothers-MC Afrika Baby Bam und Q-Tip von A Tribe Called Quest auf ein paar Bälle und Pilze vorbei. Ein psychedelisches Match zwischen New Yorkern, ausgetragen unter der kalifornischen Sonne. Die Speerspitze der Native-Tongues-Bewegung gegen drei weiße HipHop-Nerds. Es wurde bitter gekämpft, geschwitzt, gelacht – und manchmal auch Musik vorgespielt.

Die Bälle wurden sich nicht nur auf dem Basketballplatz zugespielt. Eines der Instrumentals, das die Beastie Boys Q-Tip und Afrika vorspielten, hieß „Get Together“. Q-Tip mochte es – und rappte schnell in ein bis zwei Durchläufen ein paar Zeilen drüber. Als er weg war, schnitten Mike D, Adam „MCA“ Yauch und Adam „Ad-Rock“ Horovitz seinen Freestyle neu zusammen, gaben seinem spontanen Post-Basketball-Stream-of-Consciousness eine neue Struktur – und rappten selber dazu.

Hardcore-Punk und Jazz-Fusion, Magic Mushrooms und Basketball

Diese entspannte Atmosphäre merkt man „Ill Communication“ an. Es erschien am 31. Mai 1994 – heute vor 25 Jahren. Das vierte Beastie-Boys-Album ist nicht so verballert spaßig wie ihr Debüt „License To Ill“, nicht so dringlich wie „Check Your Head“ und auch nicht von solch einer kaleidoskopartigen Seltsamkeit wie ihr Sampling-Meisterwerk „Paul‘s Boutique“. Stattdessen ist es ihr möglicherweise leichtfüßigstes Album: Eine irrwitzige Idee geht fließend in die nächste über, Boombap mutiert zu Hardcore-Punk mutiert zu Jazz-Fusion und wieder zurück – und das alles passiert so selbstverständlich, dass man es kaum merkt.

Man schaue sich alleine die ersten vier Songs an: „Sure Shot“ eröffnet das Album mit einem catchy Flötenloop und tiefen Drum-Samples, über die die drei MCs mit schlafwandlerischer Leichtigkeit das Mikro herumreichen – nur um im nächsten Song „Tough Guy“ für 58 Sekunden wieder in ihre alten Hardcore-Punk-Springerstiefeln zu schlüpfen. Es folgt der psychedelisch vernebelte, verzerrte Boombap von „B-Boys Makin‘ With The Freak Freak“, dessen Kontrabass-Groove nahezu nahtlos in das nicht nur im Titel an Miles Davis‘ Jazz-Funk-Exkursion „On The Corner“ angelehte Instrumental „Bobo On The Corner“ übergeht.

Die großen und kleinen Geniestreiche dieses Albums sind unzählig. Das auch 25 Jahre später immer noch unfassbar mächtige Bass-Riff von „Sabotage“. Der sanfte, wie auf Zehenspitzen gespielte Groove von „Sabrosa“. „Heartattack Man“, das auch Black Flag nicht gemeiner hätten spielen können. „Bodhisattva Vow“, in dem MCA über tibetanischen Mönchsgesang Zeilen wie „I strive for a happiness of mental wealth“ rappt, als wäre es das Natürlichste auf der Welt. Und natürlich der Gastauftritt von Q-Tip, dessen butterweiche Stimme die natürliche Gegenthese zum nasal-schrillen Beastie-Boys-Rap ist – und trotzdem wunderbar harmoniert. All diese komplett unterschiedlichen Songs klingen auf „Ill Communication“ wie aus einem Guss. Es zu hören, fühlt sich an, als würde man im Magic-Mushroom-Rausch plötzlich die geheimen Zusammenhänge des Universums erkennen – und vielleicht nebenbei ein paar Körbe werfen.

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