Berry Gordy – der Mann hinter Motown wird 90 Jahre alt

Foto der Motown-Gründers Berry Gordy

Motown-Gründer Berry Gordy (Foto: Kingkongphoto from Laurel Maryland, USA, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons)

Berry Gordy jr. (eigentlich sogar Berry Gordy III, aber eine Generation lässt er, in der ihm eigenen Bescheidenheit, unter den Tisch fallen), Gründer des legendären Motown-Labels, ist zweifellos eine der schillerndsten Persönlichkeiten des Musikbusiness. Er wurde am 28. November 1929 in Detroit geboren, damals noch (oder schon) die boomende Automobilmetropole der USA, die „Motor City“. Er stammte aus einer afroamerikanischen Mittelschichtsfamilie. Sein Urgroßvater James Gordy war ein weißer Plantagenbesitzer, seine Urgroßmutter dessen Sklavin (mit seiner Ehefrau wiederum zeugte James Gordy seinen Sohn James, der später der Großvater des US-Präsidenten Jimmy Carter werden sollte).

Bevor Berry Gordy jr. 1951 zur Armee eingezogen wurde, schlug er sich einige Zeit recht erfolgreich als Boxer durch. 1953 eröffnete er einen Plattenladen, musste jedoch bald Insolvenz anmelden. Die nächsten Jahre stand er beim Autohersteller Ford am Fließband und schrieb nebenbei Popsongs. 1957 konnte er seine Komposition „Reet Petite“ an das Label Decca verkaufen. Für 1000 Dollar, damals ein kleines Vermögen. Jackie Wilson hatte mit dem Song 1957 einen beachtlichen Charterfolg und – dank eines Knet-Animationsvideos – 30 Jahre später erneut.

Tamla/Motown – Genug Hits für zwei Labels

Einige weitere Songs aus seiner Feder wurden zu Hits, aber viel Geld hat er davon nicht gesehen. Also gründete er selbst zwei Labels. Um größere Kontrolle über die Finanzen zu haben. Und vor allem einen größeren Anteil an ihnen. Anderen hätte die Gründung eines Labels gereicht, aber für Gordy mussten es zwei sein. Weil sein Ego zu groß für nur ein Label war, könnte man vermuten. Tatsächlich war es aber so, dass man damals schnell in den Verdacht geriet, Schmiergelder gezahlt zu haben, wenn das Radio zu viele Titel von einem Label spielte. Das konnte teuer werden. Und Gordy hatte offenbar genug Vertrauen in sein Material, um sicherheitshalber gleich zwei Plattenfirmen zu gründen: Tamla und Motown.

Gordys Selbstbewusstein war gerechtfertigt. Mit KünstlerInnen wie Smokey Robinson, The Supremes, The Temptations, Mary Wells und The Four Tops baute er sich langsam ein millionenschweres Imperium auf. Gordy war ein Vertreter des Black Capitalism. Der Vorstellung man könne Rassismus und Unterdrückung am besten dadurch bekämpfen, dass man sich auf das kapitalistische Spiel einlässt und mehr Geld als die Weißen verdient. Sollte an dieser Theorie etwas dran sein, dann hat Berry Gordy den Rassismus besiegt: Motown war über Jahrzehnte der bestverdienende Konzern unter „schwarzer“ Führung.

Diana Ross – Gordys Star

Die Karriere von The-Supremes-Sängerin Diana Ross lag ihm besonders am Herzen. Sie wollte er zu einer „schwarzen Barbra Streisand“ machen, also zu einer schwarzen Version des vielleicht weißesten weiblichen Superstars seiner Zeit. Für sie produzierte er „The Lady Sings The Blues“, einen Film über das Leben von Billie Holiday, der von Kritik und Publikum sehr gut aufgenommen wurde. Ein weiteres Produkt der engen Kooperation zwischen den beiden war Rhonda Ross Kendrick, die 1971 geborene gemeinsame Tochter.

Ziel erreicht – Gordys Rückzug von Motown

1972 zog Gordy mit Motown nach Los Angeles. Der Erfolg blieb ihm mit Künstlern wie Jackson Five, The Commodores und Stevie Wonder treu. In den späten 1980ern begann Gordy, sich nach und nach aus dem Geschäft zurückzuziehen und veräußerte seine Anteile an seinem Konzern zwischen 1988 und 2003 für insgesamt rund 350 Millionen Dollar. Berry Gordy war dreimal verheiratet, hat acht Kinder von sechs Frauen und genießt sein Rentnerdasein. Heute, am 28. November 2019, wird er 90 Jahre alt.

Bild mit Text: „Ja ich will Radiokultur unterstützen“ / „Freunde von ByteFM“

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