Blind Butcher – „Alawalawa“ (Rezension)

Cover des Albums Blind Butcher – „Alawalawa“ (Voodoo Rhythm Records)

Veröffentlichung: 24. März 2017
Web: blindbutcher.ch
Label: Voodoo Rhythm Records

6,8

Die Schweizer Band Blind Butcher muss man sich wohl am besten als ziemlich betrunkene Person auf einer Party vorstellen: Verdammt aufgedreht, aber sehr nett, brabbelt sie zusammenhangslos und teilweise unverständlich in einer Mischung aus Schwiizertüütsch, Englisch und Kauderwelsch vor sich hin. Ihr Oberkörper ist voll von verschmiertem Lippenstift, sie trägt einen etwas zu engen Glitzerbody und eine Lamettaperücke. Immer wieder schunkelt sie in die Mitte der Menge und gibt spontan ein bizarres Programm zum besten.

„Alawalawa“, das jüngst erschienene zweite Album von Blind Butcher, wirkt wie ein Souvenir von dieser Party. Als Abbild des Erlebnisses zeigt es die Vielseitigkeit der Trashdisco, die das Duo kreiert, und fängt die extreme Energie ihrer Live-Performance passend ein. Zwischen dem Countrysong „Evil Child“ mit Westerngitarre und der vornehmlich instrumentalen, mit 4/4-Bass unterlegten Effektfläche beim titelgebenden „Alawalawa“, ergibt sich hier ein weites Spektrum, welches seinen gemeinsamen Nenner in klassischen Rock’n’Roll-Schemata findet und inmitten dieser Vielfalt immer wieder unerwartet melodiöse Momente produziert. Einzelne Songs erinnern stellenweise an andere Powerduos wie Death From Above 1979, aber auch an den straighten blueslastigen Punkrock von Gruppierungen wie The Von Bondies. Ebenso sind Blind Butcher in der musikalischen Gesellschaft von Klaus Johann Grobe oder Fai Baba, in welcher sie sich als Band aus Luzern bewegen, gut aufgehoben.

Wie es betrunkene AlleinunterhalterInnen auf Partys jedoch so an sich haben, ist es zu Teilen ein bisschen zu viel des Guten. So erscheint neben den teils sehr drastischen und plötzlichen Stilwechseln der eingesetzte Vocoder-Effekt wohl vor allem im Rausch des Fetengefechts als großartige Idee. Dieser macht leider nur beim Benutzen Spaß, beim Hören in den meisten Fällen eher weniger. Überhaupt ist da an vielen Stellen – insbesondere bei den äußerst kuriosen Nummern „Küsse mich, sonst küss ich dich“ oder „Hexentanzen“ – zu viel Effekt, was die Platte in diesen Momenten sehr wuselig und etwas grobmotorisch erscheinen lässt. Eben genauso so, wie es ist, wenn man sehr betrunken sehr viel Spaß hat. Schlägt man in diesem Zustand über die Stränge, merkt man das ja leider meistens erst am Morgen danach. Am Ende bleibt von „Alawalawa“ aber trotzdem etwas zurück, das sich wie die Erinnerung an eine fulminante Liveband auf einer wilden Party anfühlt und es ist ganz sicher: Wäre man selbst dabei gewesen, man hätte die Platte mit Sicherheit haben wollen.

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