Clarence „Gatemouth“ Brown wäre heute 90 geworden

Clarence Gatemouth Brown

Eine Stimme wie ein offenes Tor soll er gehabt haben, sagte ein Lehrer zum jungen Clarence Brown. So kam er zu seinem Spitznamen „Gatemouth“. Aber nicht nur beeindruckend war Browns Stimme, er hatte großes musikalisches Talent. In den 40er Jahren begann er Schlagzeug in Clubs in San Antonio, Texas zu spielen. Als T-Bone Walker, ein populärer Bluesmusiker, kurzfristig ein Konzert wegen Krankheit absagen musste, sprang Brown auf die Bühne und improvisierte an der Gitarre unter Applaus des Publikums.

Der am 18. April 1924 geborene Brown war ein Multi-Instrumentalist, er beherrschte nicht nur Gitarre und Schlagzeug, sondern auch die Violine, Mundharmonika, das Klavier und die Mandoline. Ebenso vielseitig war sein Stilrepertoire – der Musiker mischte den ursprünglichen Blues mit Cajun, mit Jazz, Country und R’n’B. Nach seinem Spontanauftritt versuchte sich Brown als tourender Musiker, mit Erfolg. Don Robey, dem der Club gehörte, in dem T-Bone Walker hätte spielen sollen, gründete kurzerhand Peacock Records, um Platten von Brown herauszubringen.

In den 70er Jahren wurde nach der ersten Pop- und Rock’n’Roll-Hysterie Blues und Folk wiederentdeckt. Besonders in Westeuropa interessierte man sich für die legendären Musiker, die diese ur-amerikanische Musik geprägt hatten. Clarence Brown ging über ein Dutzend mal in Europa auf Tour, sogar in der Sowjetunion, was zu Zeiten des Kalten Krieges ein besonderes Ereignis war. Und er wurde zum offiziellen US-Botschafter für Musik. Das brachte Brown bis nach Afrika.

In den 2000ern, als der versierte Musiker schon über 70 war, spielte er überall auf der Welt Konzerte. Doch damit musste er aufhören, als er die Diagnose Lungenkrebs erhielt. Als der Hurrikan Katrina 2005 New Orleans verwüstete, floh Clarence „Gatemouth“ Brown in seine Heimatstadt Orange in Texas. Dort starb er wenige Zeit später.

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