Dead Can Dance – "Anastasis"

Dead Can Dance - AnastasisVÖ: 10.08.2012
Web: deadcandance.com/
Label: PIAS Recordings

Es geht hier um nichts geringeres als eine Wiederauferstehung. Allein der Name vom neuen Dead-Can-Dance-Album ist eine Ankündigung: „Anastasis“, das ist die Höllenfahrt Jesu in der byzantinischen Mythologie. Nach dieser Sage stieg Jesus in die Unterwelt hinab, um die Männer und Frauen des Altertums zu retten, die unrechtmäßig verdammt wurden. Gleichzeitig bedeutet das griechische Wort Anastasis Wiederauferstehung.

Totgeglaubte leben länger: Dead Can Dance sind zurück

1996 erschien das letzte Studioalbum, zwei Jahre später die Bandauflösung. Seitdem ein paar Best-of-Alben. Erst 2005 gingen die Masterminds der Gruppe, Lisa Gerrard und Brendan Perry, wieder auf Tour durch die USA, jetzt folgt Großes, Neues in Form eines neunten Studioalbums.

Dead Can Dance machen noch immer großartige Weltmusik, in der man unendlich viele Einflüsse wiederfindet. Ich spreche hier von orientalischen und mittelalterlichen Klängen, byzantinischen Mythen, keltischen Liedern, von Gerrards arabisch-nordisch-biblischen Sprachkonstrukten und der Tätigkeit der beiden Musiker als Filmkomponisten. Lisa Gerrard ist mit ihrem Soundtrack zu „Gladiator“ sogar mit dem Golden Globe geehrt worden – als bisher erste Frau in der Kategorie Beste Filmmusik.

Ein Album wie ein Film

Cineastisch ist auch das Gebilde des neuen Dead-Can-Dance-Albums: „Children Of The Sun“ leitet die Handlung ein. „We are angels, as ancient as the sun. We came from the ocean“, singt Perry und damit beginnt die Reise zur Wiederauferstehung.

Einen absoluten Höhepunkt erlebt „Anastasis“ in „Agape“ (gr.: Liebe). Das Lied ist fesselnd, eingehend, dreht sich wie ein Kreisel im Kopf seiner Hörer und kann vermutlich Schlangen beschwören. Verzückt kann man hier tanzen und/oder den verträumt-persischen Klängen lauschen. Wäre die Platte ein Film, würden sich die Helden am Ende von „Agape“ in einer Wüstenoase wiederfinden und über das soeben Erlebte staunen.

Zweimal hinhören lohnt sich

Was auffällt: Gerrard und Perry singen kaum zusammen. Lisa Gerrards Fantasiesprache ist verzückend, nimmt den Hörer in eine Traumwelt mit. Aber auch mit dem Ergebnis, dass man bei den von Perry gesungenen Stücken zweimal hinhören muss. Erst einmal bleibt die Bedeutung der Texte im Gesamtklang gefesselt. Aber das gehört zur Magie des Albums.

„Amnesia“ ist eines dieser Lieder, und es lohnt sich, nachzuhören. Es besingt den Verlust einer kollektiven Erinnerung: „With every generation comes a memory loss […] nothing seems to last“. Da wird das „Anastasis“ ganz konkret und anfassbar, echt. Die Rückkehr zur Mystik erfolgt dann mit Perrys Wunsch: „Memories, set me free“.

Dreht die Uhren zurück: das Ende vom Film

Am Ende der Platte gibt es noch eine Überaschung: Das keltisch anmutende Lied erweitert mit elektronischen Elementen den Rahmen des Albums. Später singen tatsächlich – das einzige Mal auf der Platte – Brendan Perry und Lisa Gerrard zusammen. Das Dénouement, der Auflösungspunkt der Geschichte, spielt sich in „All In Good Time“ ab. Hier endet auch die Auferstehungsmetapher, Dead Can Dance sind schließlich, 14 Jahre nach ihrer Auflösung, angekommen, wo sie hinwollten: „All is revealed, all in good time. Turn back your clocks, open up your memories“.

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Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Anastasis“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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