Der Cowboy mit dem Goldzahn – Slim Cessna im Gespräch

Ein bärtiger Mann, der einen weißen geschwungenen Cowboy-Hut trägt. Große, schwere Statue und ein grimmiges Lächeln auf den Lippen – so in etwa habe ich mir Slim Cessna, Oberhaupt von Slim Cessna’s Auto Club, vorgestellt. Doch der Sänger mit dem auffällig glänzenden Goldzahn entspricht heute ganz und gar nicht diesem Bild. Groß? Ja. Und bärtig ist er auch. Doch hat Slim Cessna den Cowboy-Hut gegen ein lässiges schwarzes Cappy ausgetauscht. Die stylische Brille fügt sich in das Gesicht eines erfahrenen Mannes, dessen ernste Züge oftmals einem Lächeln weichen.

Sehr um das Wohlergehen seines Gegenübers besorgt, erzählt mir Slim Cessna von seinem Leben als Musiker, von alten Zeiten und dem Bestreben, gute Musik zu machen. „Ich habe, seitdem ich klein bin, Musik gemacht. Von Anfang an wusste ich, dass es das ist, was ich in meinem Leben machen würde. Und da bin ich nun.“ Cessna grinst zufrieden.

Vor zwanzig Jahren hat sich Slim Cessna’s Auto Club in Denver gegründet. Zu dieser Zeit wuchs in der Stadt Colorados die Anzahl der Musiklokale und Bands. „Wir haben uns unsere eigene Musikszene geschaffen, mit Leuten, die uns nahestanden, mit Freunden und anderen Bands.“ Religion und ihre Gospel-Elemente hatten auf Slim Cessna’s Auto Club ebenso einen Einfluss wie die Stadt Denver selbst: „Auch die Landschaft Colorados hat uns sehr beeinflusst, vielleicht mehr als alles andere: Himmel, Berge, die weite Umgebung – alles ist so groß dort.“

Slim Cessnas Verbundenheit zu Amerika und der amerikanischen Kultur kommt in unserem Gespräch des öfteren zum Vorschein. Ursprünglich hatte Slim Cessna’s Auto Club die Ambition, eine Countryband zu sein, doch „wir waren nicht wirklich gut darin.“ Dann traten sie als Vorband von Johnny Cash auf, was einen großen Einfluss auf ihre weitere musikalische Karriere hatte. „Wir mussten überprüfen, was unsere Ziele waren, und versuchen, härter zu arbeiten und bessere Songs zu schreiben. Der Auftritt mit Johnny Cash war in vielerlei Hinsicht hilfreich und auch gut. Ich denke, dass Cash der ‚King Of American Music‘ ist. Im Geiste sind wir ihm sehr ähnlich. Wir machen Kunst und lassen unsere Songs zu dem werden, was sie sind, ohne Angst zu haben, was die Leute darüber denken.“

Im Laufe der Jahre hat sich Slim Cessna’s Auto Club musikalisch weiterentwickelt. Auf das Genre Countrymusik lässt sich ihre Musik nicht mehr beschränken. Ihre Songs klingen düster wie Gothic, treibend wie Punk, naturverbunden wie Folk. „Wir sind zu dem geworden, was wir jetzt sind. Es ist schwierig für uns, unsere Musik in ein Genre zu fassen. Insbesondere mit Blick auf unsere Live-Shows sind wir eine Rockband. Wir benutzen Fender Twin Reverb-Gitarrenverstärker und dann spielen wir auch mal Banjo. Im eigentlichen Sinne machen wir amerikanische Folkmusik, die aber durch Rockmusik übermittelt wird.“

Mit seinen Live-Auftritten hat sich Slim Cessna’s Auto Club einen Namen gemacht. Von vielen Seiten wird die Band dafür gelobt, was natürlich auch einen Gewissen Druck auf ihre Leistung ausübt: „Es ist schon eine Herausforderung als ‚beste Live-Band‘ gehandelt zu werden, denn das heißt, dass wir eigentlich jeden Abend auf der Bühne stehen müssten. Auch weckt es in uns den Anspruch, diejenigen nicht zu enttäuschen, die Geld dafür bezahlt haben, uns live zu sehen. Wir sind stolz auf diesen Titel. Unsere Live-Shows sind uns genauso wichtig wie unsere Aufnahmen. Ich glaube, wir machen wirklich gute und spontane Shows. Das ist unsere Religion.“

Religiös angehaucht sind auch die acht Alben von Slim Cessna’s Auto Club. In ihnen erzählt Slim Cessna’s Auto Club Geschichten von und über Menschen, ihren Bestimmungen und Erfahrungen im Leben. Für ihr aktuelles Album mit dem Titel „Unentitled“ hat vor allen Dingen Bandmitglied Jay Munly die Songtexte verfasst. „Er ist ein großartiger Schreiber,“ findet Slim Cessna. „Wir haben den Anspruch, unsere Geschichten künstlerisch auch durch eine poetische Sprachwahl zu übermitteln.“ Diese Poetik wird beispielsweise in Songs wie „Thy Will Be Done“ deutlich.

„Unentitled“ ist durchzogen von einer musikalischen Diversität, die auch vor dem Walzer im Stück „United Brethren“ keinen Halt macht. „Diesen Song habe ich geschrieben,“ erklärt Slim Cessna. „Es ist ein sehr persönliches Lied, das von Dingen erzählt, die fast gänzlich der Wahrheit entsprechen. Vom Gefühl her unterstützt der Walzer die Geschichte, die ich mit diesem Song erzähle, sehr gut. Darüber hinaus ist der Song der letzte auf dem Album. Das vorhergehende Lied ist sehr intensiv und rastlos, sodass ‚United Brethren‘ eine Art Verschnaufpause bietet, in der man wieder durchatmen kann.“

Auf meine Frage hin, ob sich Slim Cessna nach zwanzig Jahren kontinuierlicher Albumproduktionen, Touren und Live-Performances nicht auch eine Auszeit wünscht, wirkt der Sänger etwas überrascht: „Nein, ganz und gar nicht. Seit einigen Wochen steht heute wieder ein Live-Auftritt an und ich freue mich darauf, heute Abend wieder auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen.“ Er lächelt kurz und sein Goldzahn blitzt auf. „Anders sieht es mit meiner körperlichen Gesundheit aus. Meine Knie schmerzen und ich bin Allergiker. Dabei hatte ich gehofft, dass, wenn ich nach Deutschland komme, die Allergie etwas abschwächt. Doch da hatte ich mich wohl getäuscht. Ich hab jetzt ein paar Medikamente genommen – nicht so viele wie Heath Ledger – aber die zwei Pillen sollten ihren Dienst leisten.“

Slim Cessna’s Auto Club ist auf Tour:

10.06. Hannover – Café Glocksee
14.06. Zürich (CH) – Ziegel Oh Lac
16.06. Frankfurt – Das Bett

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Diskussionen

2 Kommentare
  1. posted by
    Alex Melomane
    Jun 23, 2011 Reply

    Vielen Dank – hier noch ein Interview, welches ich mit Slim in Denver vor der schon zur Legende gewordenen Silverster-Show anno 2009 für das Freie Radio B138 aufgenommen habe:
    http://cba.fro.at/15862

  2. posted by
    sÄnd
    Jun 23, 2011 Reply

    na bittesehr, das ist doch mal ein gelungener artikel zum thema!
    GUT GEMACHT!! (o:

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