DJ Koze – "Amygdala"

DJ Koze - AmygdalaVÖ: 22. März 2013
Web: pamparecords.com
Label: Pampa

Acht Jahre sind vergangen, seit DJ Koze die Welt das letzte Mal mit einem Soloalbum bedacht hat. In diesen acht Jahren blieb Koze der Musik keineswegs fern. Aufgrund seiner vielen Projekte konnte man eher den Eindruck gewinnen, dass dieser Mann hinter das Geheimnis des Klonens gekommen ist. Mit International Pony hat er ein zweites Album gemacht, unter dem Namen Adolf Noise eigene Musik veröffentlicht, einen debilen Spruch von Gunter Gabriel in einen Kulttrack verwandelt, das Label Pampa Records gegründet und unzählige Remixe angefertigt – unter anderem für die lebende Legende Matthew Herbert.

Jetzt kommt sein zweites Album mit eigenen Tracks: „Amygdala“. Der Name verweist weder auf einen Schmuckstein noch auf einen Urlaubsort am Mittelmeer. Koze geht dorthin, wo es wehtut: ins Hirn: Als Teil des limbischen Systems beschäftigt sich der Amygdala-Kern mit der Entstehung von Emotionen und Trieben. Er ist vor allem dazu da, uns an Situationen zu erinnern, in denen wir Angst empfunden haben. Wie passend, dass das Label Kompakt im Pressetext zu Kozes Album „Kosi Comes Around“ 2005 schrieb: „Angst ist immer berechtigt. Wer die Angst nicht kennt, kann sie auch nicht bekämpfen. Koze ist Angst-Experte. Und das macht ihn zur schlagkräftigsten Ein-Mann-Armee seit John Rambo.“

In diesem Sinne funktioniert auch „Amygdala“. Beklemmungen und Stress, Ade! Her mit den großen Gefühlen. Das Wort ist „Love“. Ein langgezogenes „Love“, wie man es Dirk von Lowtzow auf Track Nummer 5 singen hört. Sein Gesang wird mit einem Fetzen aus Marvin Gayes „Let’s Get It On“ versetzt. „We’re all sensitive people with so much to give“. DJ Koze hat sieben Künstlerinnen und Künstler zum Mitmachen eingeladen. Zusätzlich verwendet er in alter Remix-Manier eine Vielfalt von Samples. Diese werden ebenso wie die Gesangsspuren der Gäste zerstückelt, verzerrt und neu zusammengesetzt.

So zum Beispiel in „Don’t Lose My Mind“ und „Amygdala“. Diese beiden Songs wirken wie zwei Teile eines Ganzen. In Ersterem treffen Vocal-Ausschnitte auf schnippende Finger, einen sanften Bass und warme Tonfolgen, die scheinbar einer Gitarre entspringen. Der Titeltrack führt diese Stimmung dann mit einem soul-reichen Gesangssample und einer hellen, unaufdringlichen Synthie-Melodie weiter. Wie gemacht für die selige After-Hour im Halbschatten. In gleicher Manier das vorab veröffentlichte „Track ID Anyone?“, bei dem wohliges Geplucker auf die Stimme von Caribous Dan Snaith trifft.

Tanzmusik gibt es auf „Amygdala“ natürlich auch. Zum Beispiel in „My Plans“, eine der zwei Kollaborationen mit Matthew Dear. Oder in „Marylin Whirlwind“. Hier teilt der Synthie äußerst angenehme Töne aus, die sich nach und nach gegen den Stakkato-Beat durchsetzen, den Koze durch einen Verzerrer jagt.

Trotz aller Vielschichtigkeit, aller Verdrehungen und geschickt eingesetzten klanglichen Verhaspelungen klingt Kozes zweites Album homogen. Da ist das Stück Northern Soul, das mit einem Zwischenstopp bei Phats & Small von 1973 ins Jahr 2013 gereist und im Track „Magic Boy“ gelandet ist, ebenso zur richtigen Zeit am richtigen Ort wie die Stimme von Hildegard Knef, die von der Bassdrum sanft durch „Ich Schreib Dir Ein Buch“ getragen wird. Zur Beruhigung all jener, die sich „Amygdala“ zu Gemüte führen wollen und Risiken und Nebenwirkungen befürchten, wollen wir festhalten, dass Maestro Koze ausgesprochen verantwortungsbewusst mit unseren Ängsten umgeht. Er blendet sie einfach aus und gibt uns 13 Tracks an die Hand, mit denen sowohl Tage als auch Nächte ein ganzes Stück geschmeidiger werden.

Das ByteFM Album der Woche.

In den ByteFM-Magazin-Sendungen spielen wir täglich Musik aus unserem Album der Woche. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland.

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Label: Pampa | Kaufen

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