Dockville 2011 – der Nachbericht

(Matthes Köppinghoff/ByteFM)
Kakkmaddafakka aus Norwegen schwenkt die Bandfahne. (Matthes Köppinghoff/ByteFM)

Noch vor meiner Anreise zum Dockville hatte ich darüber nachgedacht: Welche Schuhe ziehe ich an? Diese Frage hatte nichts mit einer Affinität zu Mode oder gar Schuhen zu tun, es war viel mehr eine des eigenen Überlebenstriebs. Auf das durchgängig schlechte Wetter des Augusts 2011 konnte man sich wieder bestens verlassen.
Bereits bei meiner Anreise bereute ich es, mir niemals im Leben Gummistiefel gekauft zu haben. Matsch, Schlamm, Morast, wohin das Auge auf der Elbinsel in Hamburg blickte, und dabei war noch nicht mal ein Tag vorbei. Mit meinen Clarks aus Glattleder sank ich auch sofort in die Suppe ein, ohne eine Band auch nur ansatzweise gesehen zu haben. Andere waren da klüger, Gummistiefel gehörten zum Dockville zum festen Repertoire eines jeden Festivalgängers. Aber wenn interessieren schon Schuhe?
Richtig, das hier ist ein Festivalbericht, kommen wir zu den Bands: Die waren (wie immer eigentlich) natürlich handverlesen, sehr viele kleinere, aber dennoch interessante Acts, aber auch ein paar größere Namen. Am Freitag gehe ich zuerst zur Hauptbühne, Those Dancing Days spielen gerade auf der Hauptbühne. Trotz des sumpfigen Zustands dieses Geländeabschnitts waren recht viele Leute da. Hm, dachte ich mir, vielleicht ist das mit der Bodenbeschaffenheit bei der Nebenbühne ja besser, geh ich mal gucken. Als ich mich jedoch auf den Weg zu Andreas Dorau machte, bekam ich noch von einer Freundin mit auf den Weg: „Drüben, da ist es noch schlimmer!“ Ohje. Ich machte mich rutschend, schleifend, triefend auf den Weg, und tatsächlich, es kann immer noch schlimmer kommen: Hier versank man nicht nur knöcheltief, sondern teilweise knietief in der Suppe. Leider, lieber Leser, läuft die Berichterstattung Gefahr, in den Hintergrund zu treten, jedoch, zu meiner Verteidigung: Die Schlammverhältnisse, sowohl optisch, haptisch als auch olfaktorisch, schreien nach einer Erwähnung. Aber nun wirklich zurück zum eigentlichen Festival: Am Freitag waren die Highlights Johnossi aus Schweden (Mordskrach, super – und ein Schiff fährt am Gelände vorbei, sehr toll), die Editors (live sind sie eine Bank) und Marteria. Er bringt es nachts auf den Punkt: „Hallo Matschville!“ Sinn für Humor hat er, der ehemalige Kicker von Hansa Rostock.

Tag 2. Ich bemerke, dass die vermeintlich alte Jeans tatsächlich die Jeans ist, die ich eigentlich nur zu Vorstellungsgesprächen anziehen wollte. Nun ja, the times are a-changin‘, um es mal mit Dylan zu sagen. Auch der Schlamm änderte sich – er wurde noch morastiger. Aber immerhin, die Sonne schien und es war angenehm warm. Die Highlights am Samstag: Beat! Beat! Beat! (die Jungs aus Viersen sind wirklich unglaublich jung), Kakkmaddafakka waren auch ganz in Ordnung, die Wild Beasts (trotz der Tatsache, dass die DJ-Bühne nebenan etwas zu laut war für meinen Geschmack), der allseits gefeierte Casper auch. Vor allem die (zurecht legendären) Goldenen Zitronen gaben sich die Ehre im Schlamm, ebenfalls Crystal Castles – die allerdings nicht fotografiert werden wollten, jede Menge beleidigte Fotografen sah man während des Konzerts. Bei Santigold durfte dann aber wieder geknipst werden – und es lohnte sich: Die Sängerin rief „Let’s get dirty!“, und die Menge gehorchte. Ein tolles Konzert, toller Sound, tolle Show.

Der dritte Tag. Ich konnte mich solange Duschen wie ich wollte, ich fühlte mich immer noch schmutzig. Der Festival-Matsch traf nun auf seinen Schöpfer Regen. Egal: Sonntag trat die Band auf, auf die ich mich vielleicht am meisten gefreut hatte. Kante wurden als Ersatz für die Cold War Kids gebucht, und die hatte ich ja bereits beim Melt! gesehen. Die Hamburger Band hatte ein wenig ihrem Sound und dem Wind zu kämpfen, aber „Die Summe der einzelnen Teile“ kann nichts zerstören. Sehr toll. Danach ging es sehr schnell und sehr kurz zu …And You Will Know Us By The Trail Of Dead. Schon von weitem konnte man sie hören – was für eine Soundkulisse. Sehr druckvoll und klar, gefiel mir sehr gut. Einer von den Jungs hatte sogar ein Regencape an, er war also sehr gut gewappnet für diesen Sommer in Germany. Wieder ging’s schnell weiter, zum letzten Mal: Kele war wohl für viele das Highlight und trat auf der Nebenbühne auf. „My name is Kele, how you’re doing?“ Der Bloc Party-Sänger auf Solopfaden lieferte eine sehr elektrische und vor allem sehr tanzbare Show ab. Zwar hatte man nach dem Gig noch viele Möglichkeiten Musik zu hören und zu feiern – für mich und viele andere war jetzt allerdings Schluss. So schön das auch ist, drei Tage lang tolle Bands zu hören, das schlammfreie Zuhause ist auch ok. Mein Fazit vom Dockville 2011: Sehr viele tolle Bands, eine sehr schöne Kulisse im Hafengebiet von Hamburg, und ich brauche Gummistiefel. Ganz dringend.

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