Düster-romantischer Großstadtfolk: ein Nachruf auf Nils Koppruch

Lambchop auf, spielten unter anderem Konzerte mit Bernadette La Hengsts Band Die Braut Haut Ins Auge und der amerikanischen Band 16 Horsepower. Die Besetzung von Fink änderte sich häufig in der zehnjährigen Bandgeschichte, Musiker aus anderen, oft befreundeten Projekten, kamen dazu, andere verließen die Band. Nur Nils Koppruch war von Anfang bis Ende dabei, sechs Studioalben und eine Live-CD brachte Fink heraus, die Musik und Texte wurden dabei hauptsächlich von Koppruch geschrieben. Nach der Tour zum letzten Album "Bam-Bam-Bam" in 2005 begann Nils Koppruch, an einem Soloalbum zu arbeiten. Nachdem Ende 2005 die Auflösung der Band Fink bekanntgegeben wurde, erschien 2007 das erste Nils-Koppruch-Album "Den Teufel Tun" auf V2 Records. Er selbst bezeichnete seine Musik als Großstadtfolk, er wurde schnell als deutschsprachiger Singer-Songwriter bekannt, seine Texte oft mit verschroben-dunklen Bildern, im Sinne etwa eines Tom Waits. Ein zweites Album folgte 2010 mit "Caruso" (Grand Hotel Van Cleef), es folgte eine ausgedehnte Tour bis 2011. Zur Veröffentlichung der Platte trat Nils Koppruch auch im Rahmen des ByteFM Flurkonzerts in kleinem Kreis auf.

Aber all das war nur die Musikerkarriere von Nils Koppruch. Schon seit 1990 malte er unter dem Pseudonym SAM., als bildender Künstler des Art Brut und als Galerist war er beteiligt an Ausstellungen der U-Kunstszene in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Neben anderen Ausstellungsräumen betrieb er in Hamburg St. Pauli die kleine Galerie NEU. Als Maler bekam Koppruch auch internationale Aufmerksamkeit, etwa als das Auktionshaus Sotheby’s eines seiner Bilder versteigerte. Im Jahr 2008 ging er nicht nur mit seiner Musik auf Tournee, sondern auch mit seiner Kunst: Die Galerie Kofferraum besuchte fünf Städte in fünf Tagen.

Neben diesem ausgefüllten Leben aus Musik und Farbe war Nils Koppruch Vater eines Sohnes, er lebte mit seiner Familie in Hamburg. Gestern, am 10.10.2012, starb er kurz vor seinem 47. Geburtstag überraschend. In der deutschsprachigen Musik hinterlässt Nils Koppruch ein „Loch in der Welt“, so der Titel des Fink-Albums aus dem Jahr 1998.

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Diskussionen

2 Kommentare
  1. posted by
    Hamburger Musiker: Nils Koppruch ist gestorben – STERN.DE | Internet Zeitung
    Okt 11, 2012 Reply

    […] Kunstszene Nils Koppruch überraschend …Süddeutsche.deZEIT ONLINE -Whiskey-Soda -ByteFM MagazinAlle 44 […]

  2. posted by
    Kai
    Okt 12, 2012 Reply

    Vielleicht sollte unter diesem Artikel unter „Auch interessant“ nicht unbedingt „Tickets für Kid Kopphausen“ stehen …

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