Chuck D – Ein gefährlicher Mann


Das D steht für Dangerous. Gefährlich ist dieser Mann aber nicht, wie so viele im HipHop Geschäft wegen der Knarre in seiner Hose und der Vorstrafen in seiner Akte. Gefährlich ist er wegen der Worte auf seiner Zunge und der Ideen in seinem Kopf.
Die Rede ist von Chuck D, gemeinsam mit Flavor Flav und Professor Griff, Gründer und Leadrapper von Public Enemy.

Seine Meinung brachte er erst unlängst wieder lautstark in seinem Track „Tear Down That Wall“ zum Ausdruck. Darin kritisiert er ein in Arizona erlassenes Gesetz, welches der dortigen Polizei erlaubt, ohne Begründung, Einwanderer auf ihre Aufenthaltsgenehmigung zu überprüfen.
Parallel dazu veröffentlichten der Rap-Musiker und seine Frau Dr. Gaye Theresa Johnson, eine Professorin für Afro-American Studies an der University of California, Santa Barbara, ein offizielles Statement, in dem sie nicht nur den Rassismus seitens der Politik anklagen, sondern auch alle, die nichts dagegen unternehmen.

Mit Public Enemy revolutionierte Chuck D Mitte der 80er den HipHop, sowohl in musikalischer als auch inhaltlicher Hinsicht. Zu harten Beats rappte er in dunklem Bariton über die Missstände in den USA und der Welt und ist somit gleichzeitig Vater des Hardcore Rap als auch des politischen HipHop. Das zweite Public Enemy Album „It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back“ (1988) wurde als HipHop-Äquivalent zu Marvin Gayes „What’s Going On“ bezeichnet und gilt als eine der wichtigsten Produktionen in der Geschichte des HipHop.

Die Gruppe ist bis heute aktiv, auch wenn sich die Gründungsmitglieder auseinanderentwickelt zu haben scheinen. Im Gegensatz zu seinem Bandkollegen Flavor Flav geriet Chuck D nie mit dem Gesetz in Konflikt, blieb drogenfrei und machte sich auch nicht in schlechten MTV-Realityshows zum TV Clown. Stattdessen nutzte er alle nur erdenklichen medialen Wege, um seine politischen und zivilgesellschaftlichen Anliegen kund zu tun.

So veröffentlichte er 1998 seine Autobiographie „Fight The Power“, hielt Vorträge an renommierten Unis von Harvard bis Howard und moderierte Radioshows auf dem linksliberalen US-amerikanischen Sender Air America, der im Januar 2010 aus finanziellen Gründen seinen Betrieb einstellte.

Neben vielerlei TV Auftritten, wirkte Chuck D an Filmprojekten mit, wie zum Beispiel der Dokumentation „Bling: Consequences And Repercussions“ (2005), die sich mit den Zusammenhängen von Diamantenfetisch in der HipHop Mode und illegalem Diamantenhandel in Afrika auseinandersetzt.
Zudem war er in der Kampagne „Partnership for the Drug Free America“ zu sehen, hielt die Hauptrede auf der ersten National HipHop Political Convention und sprach sich in einer Anhörung vor dem Kongress für das Filesharing aus.
Diese Liste der Aktivitäten von Chuck D ließe sich problemlos fortsetzen.

Früh entdeckte er das Internet als Plattform für politische und musikalische Aktionen.
Schon 1999 boten Public Enemy ihr Album „There’s A Poison Goin‘ On“ im Internet zum Download an und mussten sich deshalb von ihrem Label Def Jam trennen.
Mit seinem 2001 gegründeten Plattenlabel Slamjamz veröffentlicht Chuck D vornehmlich Musik von Künstlern aus dem Underground-HipHop, und zwar im MP3 Format zum Download.
Einen ungewöhnlichen Weg zur Finanzierung eines neuen Albums versuchen Public Enemy zur Zeit über die niederländische Internetseite Sellaband.
Dort kann man als Förderer Anteile zu je 25 US-Dollar kaufen und erhält dann im Gegenzug ein exklusiv nummeriertes Exemplar der CD, und – je nach Höhe der investierten Summe – zusätzliche Goodies bis hin zu einem Studiobesuch während der Aufnahmen.
Ursprünglich hatten Public Enemy als Ziel 250.000 US-Dollar angesetzt, doch als der Verkauf der Anteile stagnierte, korrigierte man die angestrebte Summe auf 75.000. An die 60.000 US-Dollar sind schon erreicht.

Chuck D wird heute 50. Vielleicht bekommt er den Rest ja als Geburtstagsgeschenk?

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