Eine neue Sprache: Rio Reiser wäre 70 Jahre alt geworden

Der Sänger Rio Reiser, der mit seiner Band Ton Steine Scherben eine neue Sprache entwarf. Ihr Song „Jenseits von Eden“ ist heute unser Track des Tages.

Rio Reiser auf dem Cover seines Albums „Durch die Wand“

Eine neue Sprache war nötig, als Ende der 60er die Jugend begann, aufzubegehren. Eine Sprache, die zum neuen Sound einer jungen Generation passte, die alles in Frage stellte. Das war an vielen Orten so, doch in Deutschland gab es im Gegensatz zu den USA, Großbritannien oder Frankreich keine richtigen Anknüpfungspunkte. Keine Sprache für Pop-Musik, die sich deutlich vom Schlager unterschied. Was es in den 1920er-Jahren an Subkultur gegeben hatte, hatte die Elterngeneration vernichtet.

Wollte man nicht nur rebellieren, sondern auch die Massen erreichen wie der Maoist Rio Reiser als Sänger der Band Ton Steine Scherben, kam man um die deutsche Sprache aber schlechterdings nicht herum. Reisers Verdienst war es nicht nur, inhaltlich seinen AltersgenossInnen aus der Seele zu sprechen. Sondern auch, dass er dies mit einer in der deutschen Popkultur unüblichen Poesie der rauen Umgangssprache tat. Kurz nach den Hippies und ein paar Jahre vor Punk formulierte Rio Reiser eine neue Sprache, die die Musikentwicklung prägen sollte. „Jenseits von Eden“ stammt vom vierten Album von Ton Steine Scherben. Zu dem Zeitpunkt – man schrieb das Jahr 1981 – waren die großen Utopien weniger zentral als ein Realismus des ewig anmutenden Kalten Krieges. Thematisch wie ästhetisch. „Jenseits von Eden“ ist kein Agitationssong wie in den 70ern. Stattdessen dekonstruktives Sprechen; ein uneindeutiges Spiel mit kulturellen Zeichen.

Rio Reiser ist 1996 gestorben. Heute, am 9. Januar 2020, wäre er 70 Jahre alt geworden. Der Song „Jenseits von Eden“ seiner Band Ton Steine Scherben ist heute unser Track des Tages. Hört ihn Euch hier an:

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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