Everything Is Recorded – „Friday Forever“ (Rezension)

Cover des Albums „Friday Forever“ von Everything Is Recorded

Everything Is Recorded – „Friday Forever“ (XL Recordings)

8,0

Auf dem zweiten Album des Projekts Everything Is Recorded arbeitet XL-Recordings-Label-Chef Richard Russell erneut mit einer illustren Reihe an Künstler*innen zusammen. Neben Ghostface Killah (Wu-Tang Clan) und Penny Rimbaud (Crass) haben unter anderem Infinite Coles, der britische Rapper Aitch und die irischen Songwriter*innen Maria Somerville und Kean Kavanagh bei den als lose Jam-Sessions organisierten Recordings mitgewirkt.

Herausgekommen ist bei der künstlerischen Diversität ein von starken Stimmen geprägtes HipHop-Konzept-Album (man möchte sagen „Sammelalbum“) mit Electronica-Einschlag zum Leitthema „Friday Forever“. Ein musikalischer Ritt durch eine Freitagnacht, mit allem was an Geschehnissen, Zuständen und Reflektion so dazu gehört. Das auf dem Cover abgebildete Wirrwar von speckigen Händen in Öl gemalter barocker Gestalten in Kombination mit einer unablesbar verfremdeten digitalen Uhrzeit vermittelt visuell, was der Plattentitel erahnen lässt: einen Fiebertraum aus Dekadenz, Rausch, Schönheit und Schmerz, kurz: den gesamten Mindfuck des nächtlichen Sich-Fortspülen-Lassens. Wie spät ist es doch gleich?

Vielfalt und Eleganz

Atemlos durch die Nacht, also? Nein, „Friday Forever“ bietet in seinem Einfallsreichtum und seiner Komplexität genügend Verschnaufpausen. Dabei wirkt das überwiegend aus Downtempo-Nummern bestehende Album als Gesamtwerk avantgardistisch bunt, glänzt mit einer Fülle überraschender kompositorischer und klanglicher Details und musikalischer Exkurse. Spiritual- und Gospel-Vibes verzieren die Titel „Every Friday Thereafter“ und „This World“, während Ghostface Killah in „Caviar“ über trippy verschachteltes Klangwerk rappt. Der Track „That Sky“ steigt auf einem trockenen Kontrabass ein und taucht punktuell gar in Lo-Fi-Gefilde ab. Als besonderes Highlight sticht der Track „Dream I Never Had“ hervor, dessen Instrumentalseite klingt, als hätten sich The Notwist und Boards Of Canada zusammengetan, um ein Stück für einen neuen Twin-Peaks-Soundtrack zu schreiben.

Mit seinen oftmals atmosphärisch-getragenen Tracks entfaltet „Friday Forever“ vor allem im letzten Drittel eine zarte, elegische Schönheit und bleibt bis zuletzt immersiv wie ein guter Film, den man sofort noch einmal sehen möchte.

Veröffentlichung 3. April 2020
Label: XL Recordings 

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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