Flying Lotus – „Flamagra“ (Album der Woche)

Cover des Albums „Flamagra“ von Flying Lotus

Flying Lotus – „Flamagra“ (Warp)

„Flamagra“, das fünfte Album von Flying Lotus, beginnt mit einem Gebet. „We are now joined together again / In this space you‘ve created.“ Es ist erst einmal verwirrend: Betet der Produzent und Musiker, der mit bürgerlichem Namen Steven Ellison heißt, hier wirklich den Allmächtigen an? Ist „Flamagra“ etwa sein Äquivalent zu Bob Dylans christlicher Neugeburt „Slow Train Coming“ geworden? Doch dann folgen die nächsten Worte: „The world is strange / And so are you / You‘re different now / The time of heroes has come again.“ Und dann bricht der verführerisch höllische Wahnsinn los, den man von diesem Helden der kopfverdrehenden Beat-Musik kennt und liebt.

Ein Flying-Lotus-Album ist tatsächlich immer ein bisschen wie eine spirituelle Erfahrung. Fernab von irdischen Songstrukturen ziehen einen seine stetig mutierenden Instrumentals durchs eigene Unterbewusstsein. Intros mutieren nahtlos zu Strophen, mutieren zu Bridges, mutieren zu Hooks, mutieren zu etwas ganz anderem. Die zwischen Jazz-Fusion, HipHop, Electronica und Soul oszillierende Musik des US-Amerikaners erfordert, dass man alle Synapsenknospen öffnet, sich voll und ganz diesem Beat-Schamanen hingibt.

Vom Himmel zur Hölle und wieder zurück

Wobei Flying Lotus diese Art der Hingabe auf „Flamagra“ so leicht macht wie noch nie. Im Verlauf der 27 (!) Tracks tauchen über zehn bekannte Stimmen auf, die die Hörerin an die Hand nehmen und durch Ellisons seltsame Welt leiten. Sowohl alte als auch neue HeldInnen wurden hier versammelt: In „More“ ertönt die freundliche Raspelstimme von Anderson .Paak, in „Burning Down The House“ das altbekannte Organ (und sein verzerrtes Alter Ego) von P-Funk-Meister George Clinton. Später lassen direkt hintereinander die Rap-NewcomerInnen Tierra Whack und Denzel Curry ihre jungen Muskeln spielen, nur um später von alten Hasen wie Thundercat und Solange abgelöst zu werden. Und ganz in der Mitte erzählt die tiefe Stimme von David Lynch eine Geschichte, die begleitet von Ellisons waberndem Horror-HipHop ähnlich unter die Haut gehen wie die Filme des Kult-Regisseurs.

Ellison lässt diesen Trip zarter ausklingen, als er beginnt: Erst mit „Thank U Malcom“, einem melancholischen Tribut an seinen letztes Jahr verstorbenen Freund und Kollegen Mac Miller, dann mit der Ambient-Meditation „Hot Oct.“. Kurz vorm Ende hält er die Zeit an, lässt einen Synthesizer für fast drei Minuten ausfaden. Ein angemessener Rahmen für ein Album, dass einen durch höchste Höhen und tiefste Täler führt, vom Himmel zur Hölle und wieder zurück.

Veröffentlichung: 24. Mai 2019
Label: Warp

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