Gil Scott-Heron in sechs Songs

Foto von Gil Scott-Heron

Gil Scott-Heron, der Musiker wäre am 1. April 2019 70 Jahre alt geworden

Als einer der Ersten brachte Gil Scott-Heron tanzbare Musik nicht nur mit Politik, sondern auch mit gesprochenen Texten zusammen. Etiketten wie „Godfather Of Rap“ oder „schwarzer Bob Dylan“, die ihm KritikerInnen aufklebten, widerstrebten dem Künstler, der 1949 in Chicago geboren wurde. Sein Einfluss auf die Musikgeschichte seit den 1970er-Jahren ist hingegen weder zu bestreiten noch zu unterschätzen. Besonders das HipHop-Genre baut auf seinem Erbe auf. 2011 starb der Künstler an den Folgen einer HIV-Erkrankung. Heute wäre Sänger und Dichter 70 Jahre alt geworden. Das nehmen wir zum Anlass, um den Künstler in sechs Songs zu porträtieren.

Gil Scott Heron – „The Revolution Will Not Be Televised“ (1971)

1970, als Gil Scott-Heron erstmals mit einer Albumveröffentlichung auf den Plan trat, war es im Soul und Funk neu, aber nicht ungewöhnlich, explizit politisch Stellung zu beziehen; es war eine Zeit des Kampfes für die Bürgerrechte der afroamerikanischen Bevölkerung der Vereinigten Staaten. Gil Scott-Heron wagte den radikalen Schritt, die Gewichtung von Form und Inhalt der Vokal-Darbietung umzukehren: Der Gesang trat hinter die Botschaft zurück, gesungene Reime wichen gesprochener Prosa. Die Geschichte zeigt, dass ein solcher Anspruch nicht über den Pfad der Obskurität auf den Müllhaufen der Geschichte führen muss: „The Revolution Will Not Be Televised“ wurde einer seiner bekanntesten Songs und ein oft zitierter Slogan.

Gil Scott Heron – „The Bottle“ (1974)

Hoher Bariton, tiefer Tenor: Man würde Gil Scott-Heron unrecht tun, wenn man ihn auf seine größte stilistische Innovation reduzieren würde. Politische Themen wie Armut, Drogensucht und Rassismus wurden auch in gesungener Form verhandelt. Ein prominentes Beispiel und veritabler Hit ist „The Bottle“ vom Album „Winter In America“ aus dem Jahr 1973.

C.O.D. – „In The Bottle“ (1983)

„The Bottle“ schaffte es in auf Platz 15 der US-amerikanischen R&B-Charts. Der Einfluss des Liedes sollte später helfen, Funk in ein neues Zeitalter zu befördern. Der in New York als DJ tätige Raul A. Rodriguez machte sich Anfang der 80er-Jahre einen Namen als Produzent für die im Entstehen begriffenen Genres House und Electro. Zu letzterem zählt „In The Bottle“, ein Cover von Gil Scott-Herons Song, 1983 von Rodriguez unter dem Namen C.O.D. veröffentlicht. Im Gegensatz zum Original wird der Text nicht gesungen, sondern gerappt – der Pionier wird von seiner eigenen Innovation eingeholt.

Gil Scott-Heron – „Inner City Blues (Poem: „The Siege of New Orleans“)“ (1981)

Der Innovator war sich nicht nur seines eigenen Einflusses bewusst, sondern legte auch offen, woher er kam, was ihn geprägt hat und wessen Musik ihn berührt hat – und wie diese Einflüsse sich zum je aktuellen Zeitpunkt politisch und ästhetisch einordnen ließen. Als Marvin Gaye 1971 auf dem Höhepunkt seines Schaffens war, veröffentlichte dieser das für seine Verhältnisse ungewöhnlich explizit politische Album „What’s Going On“. Gil Scott-Heron stand zu der Zeit noch am Anfang seiner Karriere; zehn Jahre später rekontextualisierte er „Inner City Blues (Make Me Wanna Holler)“ von Gayes Album. Nicht nur der Text erscheint in einem neuen politischen Zusammenhang – die Musik kommt einerseits im historisierenden Jazz-Arrangement daher, ist aber andererseits produktionstechnisch auf Höhe der Zeit.

NxWorries – „Suede“ (2015)

Die Scott-Heron’sche Herangehensweise, die Vermischung von Groove und Spoken Word, nahm formal vorweg, was seit Jahrzehnten die Hitparaden dieser Welt regiert: HipHop. Als MC war Gil Scott-Heron eher Zeremonienmeister oder Moderator und weniger Rapper. Trotzdem wäre es fahrlässig, seinen Einfluss nicht zu würdigen. Anderson .Paak und Knxledge zollten Tribut durch ein verlangsamtes Sample aus „The Bottle“.

Gil Scott-Heron & Jamie xx – „Running“ (2011)

Den Anschluss an den aktuellen Sound verpasste Gil Scott-Heron eigentlich nie. Das letzte Album ließ er vom Briten Richard Russell produzieren, auf dessen Label XL „I’m New Here“ erschien. Kurz vor seinem Tod gab der Künstler seinen Segen für Jamie xx‘ Remix-Version der Platte, „We’re New Here“, die 2011 veröffentlicht wurde.

Gil Scott-Heron ist heute auch mehrfach Thema im Programm von ByteFM – sowohl im ByteFM Magazin um 10 und um 15 Uhr als auch bei Klaus Walter, der sich am 1. April um 21 Uhr seiner Sendung Was ist Musik dem „Godfather Of Rap“ widmet.

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