Gorillaz – „Humanz“ (Rezension)

Cover des Albums Humanz von GorillazGorillaz – „Humanz“ (Parlophone)

Veröffentlichung: 28. April 2017
Web: www.gorillaz.com
Label: Parlophone

8,0

Dystopien begleiten Gorillaz seit ihren ersten Songs. Das Video zu „Clint Eastwood“, ihrem Hit von 2001, leitet ein Zitat aus dem Zombiefilm-Klassiker „Dawn Of The Dead“ ein: „Every dead body that is not exterminated, gets up and kills. The people it kills, get up and kill.“ Auch „Feel Good Inc.“ von ihrem zweiten Album „Demon Days“ wurde 2005 düster bebildert, erinnert an den Roman „High-Rise“ von J. G. Ballard: Über den Wolken spielt die Band – kaputte Nägel, fehlende Zähne, seelenlose Augen – auf einer Party, die längst über ihren Höhepunkt hinaus ist. Vor den Fenstern zieht die Vision einer unschuldigen, einfacheren Welt vorbei.

Mit „Humanz“ setzen Musiker Damon Albarn und Künstler Jamie Hewlett ihrer Kollaboration die Krone auf. Zwischenzeitlich sah es so aus, als wären Gorillaz – die von Hewlett animierte Comicband, die Albarn mit Songs zu Leben erweckt – gestorben. Es gab Differenzen, aber die beseitigten die beiden bei einer Weihnachtsfeier im Jahr 2014. In den zwei Jahren, die folgten, entstand „Humanz“. Damon Albarn zufolge dreht sich das Album um „Schmerz, Freude und Dringlichkeit“. Tiefstaplerei möchte man meinen, denn die 26 Tracks – die man getrost als genreübergreifend bezeichnen kann (R&B, Electronica, Indierock, TripHop, alles dabei) – erzählen sehr viel mehr.

Und für diese Erzählung hat sich Damon Albarn eine Menge an Künstlerinnen und Künstlern mit großem Renommee herangeholt: Für den angriffslustigen Song „Charger“ improvisierte die Disco-Ikone Grace Jones vier Stunden lang Vocals über ein gelooptes Heavy Metal-Riff. Das avantgardistische R&B-Talent Kelela dominiert den geschmeidig treibenden Track „Submission“. Rapper Danny Brown mischt den selben Song in der Mitte mit ein paar wilden Bars auf. Damon Albarn weiß genau, wen er braucht, um seine Vision richtig umzusetzen. Einige hochkarätige Kollaborationen wurden im Nachhinein wieder gestrichen, weil sie nicht zu „Humanz“ passten. Ebenso wie jegliche Referenz auf Donald Trump.

Dabei hat die Vorstellung, dass Trump wirklich US-Präsident werden würde, den Anstoß zu „Humanz“ gegeben. Die Promo-Terminsetzung lässt an einem Zusammenhang keine Zweifel aufkommen: Das Album erscheint zum Ende seiner ersten 100 Tage im Amt. Aber Trump hat schon so genug Fame, findet Damon Albarn. Und überhaupt, dystopische Szenarien gibt es auch abseits der Trump’schen Reality-Satire. Viele davon blitzen im Video zu „Hallelujah Money“ auf, das am Tag der Vereidigung des US-Präsidenten erschien. Während Benjamin Clementine den elegischen Blues singt, sehen wir im Hintergrund George Orwells „Animal Farm“ und KKK-Jünger.

Ein Blitzschlag von Wahrheit im Finstern der Nacht („A lightning bolt of truth in a black night“) – so haben Gorillaz diesen Song angekündigt, und dieser Anspruch steckt auch hinter „Humanz“. Ein irres Vorhaben, aber Damon Albarn und Jamie Hewlett meistern ihre Vision mit diesem Album.

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