Hearts Hearts – „Young“ (Album der Woche / Rezension)

Cover des Albums Young von Hearts HeartsVeröffentlichung: 4. Dezember 2015
Web: heartshearts.net
Label: Tomlab
Kaufen: artistxite-Shop

Sich einfach mal Zeit zu nehmen, ist heute nicht möglich. Vor allem nicht einfach. Wenn sich Zeit genommen wird, dann muss gleich ein Begriff wie „Entschleunigung“ dafür gefunden werden. Hearts Hearts können das auch, ohne mit dem Finger drauf zu zeigen. Vier Jahre lang wurde am Debütalbum „Young“ gebastelt. Zuerst versuchten sich David Österle und Daniel Hämmerle 2010 im schönen Wien an klassischen Singer-Songwriter-Entwürfen. Davon entfernte man sich aber im Laufe des gemeinsamen Experimentierens mehr und mehr.

Und auch neue Mitglieder brachten frische Richtungen in die Musik: Johannes Mandorfer an den Drums und Peter Paul Aufreiter zuerst als Produzent, dann Vollmitglied. Was dann vier Jahre im Proberaum gebrodelt hat, gibt es jetzt zu hören. Seit 2010 sind Trends und Band hoch- und wieder heruntergekommen – Autotune, Post-Dubstep, Wanda, um nur einige zu nennen. Hearts Hearts hat das wenig geschert. Auf „Young“ sind zehn Stücke feiner Indie-Electronica zu hören.

Deren Referenzstränge fangen irgendwo vor circa zehn Jahren an zu ranken. Auf dem Weg ins Hier und Jetzt haben sie viel aufgelesen. Subtil strukturierte Rhythmen, die in ihrer eingängigen Beharrlichkeit scheinbar endlose Distanzen vermessen. Schwerelose, zart gezupfte Gitarren, sanfte Celloparts, eine helle Stimme. Das alles fügen Hearts Hearts zu einem zugleich berührenden und aufrüttelnden Ganzen, das Erinnerungen an Radiohead, The xx und The Notwist weckt.

An erstere denkt man vor allem bei dem launisch-frickeligen „Bent Pyramid“ und „Blood Level“, einem vielschichtigen, getriebenen Song. Besänftigend, wie ein Kopfstreichler von jemandem, der genau weiß, was los ist, klingt „If“. Nach After-Hour-Fadeout der Track „Potemkinsche Dörfer“, in dem sich David Österles Stimme langsam über helles Perlen von Saiten entfaltet.

Hearts Hearts haben viele Geräte zur Hand, unzählige Ideen im Kopf und gleichzeitig die Ruhe weg. Eine fruchtbare Kombination, wie „Young“ beweist.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Hearts Hearts“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

Das könnte Dich auch interessieren:

Thom Yorke veröffentlicht neuen Song Erst vor wenigen Monaten erschien Thom Yorkes jüngstes Album „Anima“. Drei Titel daraus waren auch auf dem gleichnamigen Kurzfilm von Paul Thomas Anderson zu hören. Nun hat er mit „Daily Battles“ einen neuen Song veröffentlicht. Dieser ist ebenfalls musikalische Untermalung eines...
A. Billi Free – „I Luma“ (Rezension) Was A. Billi Free auf ihrem Debütalbum macht, könnte man bodenständigen Future Soul nennen. In jedem Fall ist „I Luma“ ein Ausbund an Weitblick und überdies Treibstoff für Raumschiffe, findet unser Autor Henning Kasbohm.
Jay Som – „Anak Ko“ (Album der Woche) Im November 2015 stellte Jay Som aus einer Laune heraus ihre schrammeligen Bedroom-Pop-Demos ins Internet. Vier Jahre später hat sich die US-Amerikanerin zu einer wahren Pop-Zauberin entwickelt. Ihre dritte LP „Anak Ko“ ist unser ByteFM Album der Woche.


Deine Meinung

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.