Ibeyi im Knust: Magie im Raum

Foto von Lisa-Kaindé und Naomi Diaz alias Ibeyi (Foto: Anne Oschatz für ByteFM)Ibeyi bei ihrem Konzert in Hamburg (Foto: Anne Oschatz für ByteFM)

Lisa-Kaindé und Naomi Diaz sind Zwillingsschwestern. So bedeutet der Name ihres gemeinsamen Projekts Ibeyi „Zwilling“ auf Yoruba, einer nigerianischen Sprache, die im 18. Jahrhundert nach Kuba kam. Aufgewachsen sind Lisa-Kaindé und Naomi in Havanna und Paris, als Töchter der französisch-venezolanischen Sängerin und Fotografin Maya Dagnino und des kubanischen Perkussionisten Miguel „Anga“ Diaz, der Mitglied bei Buena Vista Social Club war.

„We come from a long line of strong women“, sagten sie mehrmals auf der Bühne bei ihrem Hamburger Konzert. Ihre Mutter sang ihnen als Kinder Lieder auf Yoruba vor. Nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 2006, begannen die Zwillinge aktiv, das von von ihm gespielte Cajon, sowie Volkslieder der Yoruba zu lernen.

Ihr selbstbetiteltes Debütalbum erschien 2015 – damals waren die beiden Schwestern gerade mal 19. Dieses Jahr folgte ihr zweites Album „Ash“. Deutlich spürbar ist auch bei ihrer Live-Show der Einfluss des Perkussionisten Anga Diaz, wenn Naomi mit den Drumsticks energetisch und kraftvoll auf ihre Trommeln einschlägt. Doch beide Schwestern bewegen sich selbstbewusst und voller Energie auf der Bühne des Knust. Magie ist im Raum. Spätestens wenn sie im Song „Oya“, das von der gleichnamigen Umweltgöttin handelt, „Take Me Higher …“ singen, stehen einigen ZuhörerInnen die Nackenhaare zu Berge.

Collage zweier Fotos von Lisa-Kaindé und Naomi Diaz alias Ibeyi (Foto: Anne Oschatz für ByteFM)„Whatever happens, we are deathless!“ – Lisa-Kaindé und Naomi Diaz alias Ibeyi (Foto: Anne Oschatz für ByteFM)

Auch spielen Lisa-Kaindé und Naomi Diaz „Valé“ von ihrem aktuellen Album, ein Lied, das Lisa-Kaindé und Naomi für ihre fünfjährige Nichte in den USA geschrieben haben: „Sie wohnt so weit weg und wir möchten, dass sie fühlt, dass wir an ihrer Seite sind“, verraten sie dazu.

Ibeyis Songs handeln von Schmerz und Hoffnung. Das Publikum wird im Laufe des Abends zunehmend in ihren kathartischen Gesang einbezogen und zum Mitsingen animiert: „Yesterday is gone, tomorrow is on the way“, heißt es etwa in „Exhibit Diaz“ – ein Titel, der zeigt, wie viel die Diaz-Schwestern von sich selbst in ihre Musik hineinschreiben. Auch „Deathless“, die Kollaboration mit Jazz-Sternchen Kamasi Washington ist in Hamburg live zu sehen. Ohne den Live-Einsatz des Washingtoner Saxofons kündigen sie „Deathless“ mit den Worten „This is an empowerment song“ an. Das Stück erzählt von einer rassistischen Begegnung, die Lisa-Kaindé im Alter von 16 Jahren mit der Pariser Polizei hatte: Erst als ihr die Chopin-Noten aus der Tasche fielen, ließ der Polizist von ihr ab. Einen starken und unbesiegbaren Eindruck machen Naomi und Lisa-Kaindé Diaz – nicht nur in „Deathless“, sondern auch auf der Bühne, auf der sie am Montag auch das hanseatische Publikum überzeugt haben.



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