IFA 2011 – Ein Funkausstellungsbesuch

Die IFA 2011 in dreidimensionaler Betrachtung (Christian Tjaben/ByteFM)
Die IFA 2011 in dreidimensionaler Betrachtung (Christian Tjaben/ByteFM)

Alle Jahre wieder schart sich die Welt der „Unterhaltungselektronik und Elektro-Haushaltsgeräte“ um den Berliner Funkturm. Christian Tjaben war auf der IFA 2011 und hat sich so seine Gedanken gemacht.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich zuletzt auf der IFA war, doch der Eindruck hat sich seither nicht wesentlich geändert: Horden von irgendwie Business-mässig aussehenden Menschen (Anzüge grau, Haare wohlfrisiert, Gepäck funktional und unauffällig designt) , flankiert von Presseteams, Technik-Fans überwiegend aus der Alt-Nerd Abteilung (in Technik-Safari Ausstattung: Weste, Hüfttasche, Hut, oft Fotoapparat bewaffnet; „Vor drei Jahren war da aber der HMDI Chip noch nicht drin in den Modellen der XT Reihe, oder?“), und freundliche oder auch mal nicht wirklich freundliche Menschen, die als Hosts und Hostessen gecastet wurden oder aus der jeweiligen Belegschaft zum Messestanddienst verdonnert wurden, schieben sich durch die unendlichen Hallen der Berliner Messe. Ein Heer der Produkt Manager, Sales Manager, Retail Manager, Customer Support Agents, Marketing Koordinatoren, Junior Berater, Medienarbeiter, Assistenten, Regional Sales Directors und Du. Zwischendrin Bockwurst und Bier, Espresso und Raucherpause.

Und mittenmang der Sommergarten, auf dem am Freitag Mittag spärliches Publikum mässig begabten Musikern lauscht, die mal zeitlos-überflüssige Rockmusik a la Bush darbieten, mal das seelenlose Sinatra-Double geben („…stellt heute Abend noch seine neue CD beim bekanntesten Frisör der Welt, ach was des Universums, vor“, heißt es über irgendein „Supertalent“ auf dem Weg zur große Karriere via Udo Waltz) .
Egal, denn bei der IFA geht es um Technik, nicht um Musik. Meistens geht es nicht mal um Musik bezogene Technik. Fernseher und alles was man dem Menschen als „Familien“-Produkt verkaufen kann (Küche á la Kaffeemaschinen; will sagen Espresso etc. -Maschinen, Kinder á la Games und Co., Kirche á la 3D ist der neue Gott der TV-Gläubigen) dominieren die Funkausstellung.

Tatsächlich ist hier Musik vor allem Content, so scheint es, der möglichst convenient konsumiert werden möchte, wobei diese Denkweise nicht unbedingt ein reines Marketing-Programm ist, das auf die Menschen niederfährt, sondern wohl auch tatsächliche Bedürfnisse reflektiert.
Die Idee der stereophonen Erlebnisse vor der heimischen Anlage ist einer Reihe von Vorstellungen gewichen, in deren Mittelpunkt zu stehen scheint, dass alles ganz einfach gehen muss, immer und überall zu funktionieren hat. Und mit dem iPod und iPhone kompatibel ist.

Ein IFA Gang aus Shenzhen, China (Christian Tjaben/ByteFM)
Ein IFA Gang aus Shenzhen, China (Christian Tjaben/ByteFM)

Apple sind bekanntlich nie auf anderen Messen als den eigenen vertreten.
Auf der IFA wird klar, dass das auch gar nicht nötig ist.
Denn so gut wie jede Firma, die hier ausstellt, scheint irgendein Zubehör im Programm zu haben, das für die Produktwelt der portablen Smartness aus Cupertino geeignet bzw. konzipiert ist. So gut wie jede Firma, außer Samsung natürlich.
Eine andere Präsenz, ganz direkt und in vielköpfiger Zahl physisch anwesend, ist China.
Eigene Hallen voller Einheitsstände, die so ziemlich jede Produktgattung, die es auf der IFA gibt, als chinesische Variante anbieten, machen mal wieder deutlich, dass der Weltmarkt in den kommenden Jahren asiatisch werden wird. Da ist es gar nicht nötig, dass die Amerikaner als nächsten Präsidenten irgendein Tea-Party Exemplar auffahren, der den westlichen Hegemonial-Anspruch endgültig weg fundamentalisiert. Das schaffen die Chinesen schon ganz allein.

Ach ja, ein paar ganz hübsche Produkte hab ich auch gesehen: die lustigen Boomboxen von TDK, lärmschluckende Kopfhörer von AKG, die Blue Ray Soundbar von Panasonic, das Streaming-System von Sonos oder Referenz-Kabel von In-Akustik hätte ich zum Beispiel direkt mitgenommen. Bei den letzten Getreuen der High-Fidelity kann man Gespräche führen über Klangqualität und Wertschätzung von Musik. Was nach nichts klingt, kost’ auch nichts. Aber sich ein paar Gedanken über die Wiedergabe von Musik zu machen, lohnt natürlich vor allem ästhetisch. Aber das ist eine Ebene, die auf der IFA eigentlich nur als wertsteigerndes Attribut im Sales-Rap der Promoter auftaucht. Alle anderen bedient da eher die Mentalität von Jean-Michel Jarre, der es sich nicht nahm, sein „Jarre AeroSystem One“ (natürlich „Made for iPad & iPhone“) persönlich zu demonstrieren – in einer überdimensionalen 10.000 Watt Version. „Ganz guter Einstieg für die Heimanlage oder?“, wie der sonnengebräunte Synthetik-Pionier zum Besten gab. Auch auf der IFA ist mehr halt mehr.

Jean Michel Jarre auf der Leiter (Christian Tjaben/ByteFM)
Jean Michel Jarre auf der Leiter (Christian Tjaben/ByteFM)

Die IFA 2011 in Berlin läuft noch bis zum 07. September.

(Sonos)
(Haman Kardon/AKG))
(Panasonic)
(Imation/TDK
Bilder Sonos, Harman Kardon/AKG, Panasonic, Imation/TDK)

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