Iggy Pop wird 70

Foto von Iggy PopOben ohne for Life: James Osterberg alias Iggy Pop feiert am 21. April seinen 70. Geburtstag (Foto: Xavier Martin)

„They say that death kills you, but death doesn’t kill you. Boredom and indifference kill you.“ – Iggy Pop

Langeweile und Gleichgültigkeit – diese zwei Zustände fallen einem wirklich nicht ein, wenn man an das bisherige Wirken von Iggy Pop denkt, der am 21. April seinen 70. Geburtstag feiert und damit auf eine 55-jährige Bühnenkarriere zurückblickt.

Aufgewachsen in einer Trailer-Park-Siedlung in Ypsilanti, nahe der Universitätsstadt Ann Arbor im Bundesstaat Michigan, nicht weit entfernt von Detroit, begann James Newell „Jim“ Osterberg, wie Iggy Pop mit bürgerlichem Namen heißt, bereits als 15-Jähriger Musik zu machen. Seine ersten Gehversuche machte er als singender Drummer bei der Band The Iguanas, der er im Übrigen auch seinen späteren Künstlernamen verdankt. Einen Ruf als extrovertierter Frontmann und Rampensau sollte sich Iggy erst ab 1967 machen, als er zusammen mit Dave Alexander und den Brüdern Ron und Scott Asheton The Stooges gründete.

The Stooges spielten eine für damalige Verhältnisse sehr aggressive Art von Garage-Rock und können mit Songs wie „I Wanna Be Your Dog“ oder „Search And Destroy“ als frühe Wegbereiter des Punk gesehen werden. Besonders eindrucksvoll waren ihre provokanten Bühnenshows, bei denen sich Iggy nicht selten mit Glasscherben verletzte oder seinen nackten Oberkörper mit diversen Lebensmitteln beschmierte. Nach dem dritten, übrigens von David Bowie produzierten Album „Raw Power“ löste sich die Band allerdings im Jahr 1974 auf.

Danach hatte Iggy Pop – wie im Übrigen alle Mitglieder der Stooges – erst einmal mit Alkohol und Drogen zu kämpfen. 1976 verließ er die USA und siedelte zusammen mit seinem Kumpel David Bowie nach Berlin über, wo er mit dessen Unterstützung seine ersten beiden, wichtigen Soloalben „The Idiot“ und „Lust For Life“ aufnahm. Auf Letzterem gab es mit „The Passenger“ sogar eine veritable Hit-Single, an der man auch heutzutage auf keinem Indie-Disco-Dancefloor vorbeikommt. Musikalisch ging es von dort an bis heute kontinuierlich weiter, mit vielen Höhen und Tiefen, etwa 20 Alben und etlichen Kooperationen. Erst im vergangenen Jahr erschien in Zusammenarbeit mit Queens-Of-The-Stone-Age-Mastermind Josh Homme das Album „Post Pop Depression“, auf dem Pop unter anderem seine damalige Zeit mit Bowie in Berlin musikalisch und textlich reflektiert.

Seinem ehemaligen Weggefährten recht ähnlich nahm sich Iggy Pop vor allem in den 70er-Jahren die Freiheit, mit Gender, sexueller Orientierung und Identitäten zu spielen und ließ sich nicht so einfach festlegen. Gerade seine scheinbar spielerische, performative Interpretation von Gender ermutigte aber auch viele Menschen. „I’m not ashamed to dress ‚like a woman‘ because I don’t think it’s shameful to be a woman“, sagte er einmal.
Dass er ohnehin über schauspielerisches Talent verfügt, hat er nicht zuletzt mit seinem Auftritt im Episodenfilm „Coffee And Cigarettes“ unter Beweis gestellt, dessen Regisseur Jim Jarmusch Iggy jüngst mit der Dokumentation „Gimme Danger“ ein filmisches Denkmal setzte.



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