Jamie Lidell – "Jamie Lidell"

Jamie Lidell - Jamie LidellVÖ: 15. Februar 2013
Web: jamielidell.com
Label: Warp

Drei Jahre sind seit dem Erscheinen seines letzten Albums vergangen. Nun veröffentlicht der gebürtige Brite Jamie Lidell sein neues, nach ihm selbst benanntes Werk. Bereits im vergangenen November gab es die Single „What A Shame“ zu hören, die durchweg positive Meinungen nach sich zog.

Jamie Lidell hat im Laufe der Jahre bewiesen, dass er sich entwickeln möchte und das auch kann. War sein erstes Soloalbum „Muddlin Gear“ noch von wüsten und psychotischen Klängen geprägt, entdeckte er auf „Multiply“ fünf Jahre später seine Stimme als Instrument und legte sie geloopt und gesampelt auf funkige Stücke. Drei Jahre darauf, im Jahr 2008, folgte die bisherige Krönung seiner Albenreihe mit der Veröffentlichung von „Jim“. Lidell schlug darauf einen neuen Weg ein, mit erstarkter Stimme auf zum Blues und über Rock ’n’ Roll tief in den Soul. Wer ihn bis dahin noch nicht kannte, sprang fortan zu „Wait For Me“ in der Masse und wärmte sich zu „Another Day“ beim Tanzunterricht auf. Lidell war inzwischen auch gefragter Liveact auf Festivals, heizte das Publikum im Vorprogramm von James Brown an und wurde durch die Bank für seine Wandlung vom britischen Synthie-Landei zum gefragten Soulinterpreten gefeiert. Dann kam „Compass“ im Jahr 2010 heraus. Und wenn treue Hörer nicht schon gewusst hätten, dass Lidell einfach eine Vorliebe für experimentelle Töne hat, hätten sie ihm „Compass“ übel genommen. Der Soul war nicht ganz verschwunden, Lidells Stimme weiter im Zentrum, das Album aber insgesamt experimenteller. Nebenbei hat er mit Cristian Vogel zusammen das Projet Super Collider. Den größten Erfolg feierten die Elektronik-Produzenten 1999 mit der Veröffentlichung ihres Debüts „Head On“, das in Deutschland viel Applaus erhielt.

Mit „Jamie Lidell“ hinterlässt der sympathische Brite erneut den Eindruck, als sei er im falschen Jahrzehnt geboren. Wenn man sich vorstellt, Lidell hätte all seine Tracks in den 80ern rausgebracht, wäre er wahrscheinlich von Prince in dessen Whirlpool oder auf den Händen von The System ins Studio getragen worden. Das Album ist voll mit synthetischem Pop-Soul der 1980er-Jahre und kräftig mit Elektro-Future-Sound durchgestyled. Bestes Beispiel dafür ist der Song „Big Love“ und das starke „I Am Selfish“. Beide stehen in der Trackliste am Anfang unter den ersten vier Songs. Ab „Why_Ya_Why“ ist dann erst mal Schluss mit Funk und der alte Lidell kehrt zurück. Bei „Blaming Something“ dominieren Drumcomputer und Synthie-Bass-Lines aus vergangener Zeit. Sowieso stolpert man mit diesem Album in ein Museum der Synthesizer oder einfach in Lidells persönliches Spielzimmer. Nach Aufenthalten in New York und Berlin zog der Brite kürzlich in seine Wahlheimat Nashville im US-Bundesstaat Tennessee. Er hat sich dort ein Haus gebaut und sich darin ein brandneues Studio eingerichtet, in welchem er die insgesamt elf neuen Tracks allein produzierte und einen Lidell-Stempel aufdrückte: „Ich beziehe eine Menge von analogen Synthie-Sounds aus den Platten, die ich liebe“, sagt Lidell. Mit dieser Einstellung hat er ein würdiges neues Werk erschaffen.

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