Jeff Tweedy wird 50 Jahre alt

Jeff Tweedy wird 50 Jahre alt (Foto: Alterna2/Wikimedia Commons)Jeff Tweedy, der bescheidene König des Alternative-Countrys, wird heute 50 Jahre alt. (Foto: Alterna2/Wikimedia Commons)

In einem Interview mit The Independent sprach Jeffrey Scot Tweedy über die Anstrengungen seines rigorosen Tour-und Aufnahme-Alltags: „Es gibt Zeiträume in denen mir das alles richtig schwer fällt. Aber jeder normale Mensch in der Welt muss ja, auch wenn es ihm schlecht geht, trotzdem zur Arbeit gehen!“ Dieser Satz sagt vieles über den US-amerikanischen Wilco-Frontmann aus – erstens über seine disziplinierte Arbeitsmoral, zweitens über seine große Bescheidenheit. Jeff Tweedy – das zurückhaltende Gesicht des Alternative-Countrys – wird heute 50 Jahre alt.

Tweedy wurde am 25. August 1967 in der Kleinstadt Belleville im US-amerikanischen Bundesstaat Illinois geboren. Seine erste Gitarre bekam er im Alter von sechs Jahren von seiner Mutter geschenkt. In der Wilco-Biographie „Learning How To Die“ gesteht Tweedy, jahrelang gelogen zu haben, das Instrument spielen zu können – ohne einen einzigen Akkord zu beherrschen. Erst eine Fußverletzung, die ihn sechs Jahre später über einen Sommer an sein Kinderzimmer fesselte, zwang ihn dazu, sich länger mit dem Instrument auseinanderzusetzen.

Anfang der 80er-Jahre lernte Tweedy Jay Farrar kennen. Gemeinsam gründeten sie mit Uncle Tupelo eine der ersten signifikanten Alternative-Country-Bands der 90er-Jahre. Die Gruppe veröffentlichte vier kommerziell erfolgreiche und von der Kritik gelobte Alben. Mit ihrem jugendlichen, vom rhythmischen Hardcore-Punk der Minutemen beeinflussten Americana-Rock konnten sie für ihren dritten Langspieler „March 16–20, 1992“ mit dem R.E.M.-Gitarristen Peter Buck sogar einen berühmten Fan als Produzenten gewinnen. Doch die beiden Songwriter Jeff Tweedy und Jay Farrar gerieten sowohl kreativ als auch persönlich ständig aneinander, bis sich Uncle Tupelo 1994 auflösen musste. Farrar startete sein neues Projekt Son Volt mit Tupelo-Drummer Mike Heidorn, während Tweedy eine neue Band namens Wilco gründete.

In den von Tweedy gesungenen Uncle-Tupelo-Songs wie „Screen Door“ lassen sich bereits viele seiner definierenden musikalischen Merkmale finden: Die sanfte, nasale Stimme, die schnörkellose Poesie. Doch erst mit Wilco sollte er in den Pantheon der großen US-amerikanischen Songwriter aufsteigen: Alben wie die nahezu monumentale Doppel-LP „Being There“ und das zugleich minimalistische wie epische „A Ghost Is Born“ zeigten Tweedy als einen Meister seines Fachs. Ihr Opus Magnum „Yankee Hotel Foxtrot“ wurde von der Zeitschrift Uncut als „‚Kid A‘ des Americana“ bezeichnet. Dabei ist es neben seinem ambitionierten Songwriting immer wieder seine einzigartige Stimme, die einen mit seiner überraschendem musikalischen Reichweite verzaubert: Ob verzweifelt wie in „Misunderstood“, warm und einladend in „Jesus, Etc.“ oder verletzt und gebrochen in „Radio Cure“ – auf den bisherigen zehn Wilco-Alben bildet Tweedys Stimme stets das emotionale Zentrum.

Ganz nebenbei produzierte er außerdem zahlreiche Alben, wie zum Beispiel die aktuelle LP der Folk-Musikerin Joan Shelley aus Kentucky. Und für zwei Solo-Alben – eines davon mit seinem drummenden Sohn Spencer als Tweedy – war auch noch Zeit. Nun wird der melancholische Workaholic Jeff Tweedy 50 Jahre alt. Trotz all der Bescheidenheit blitzt im Interview auch ein wenig Selbstironie durch: „Es ist ja auch nicht das Ende der Welt, ein bisschen depressiv zu sein. Speziell wenn man trotzdem jeden Abend auf die Bühne geht und dabei einen verdammt guten Job macht.“



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