Josephine Foster (Konzertbericht)

Foto von Josephine Foster

Zwischen Folk und Kunstlied: Josephine Foster spielte am 20. Februar ein Konzert in Berlin (Foto: Jessica Knights)

Im Gespräch nach dem Konzert klingt die Stimme von Josephine Foster auf einmal viel tiefer. Wie zuvor auf der Bühne wirkt die Singer-Songwriterin aus Colorado ruhig und gelassen, ihr Blick ist aufmerksam. Foster erklärt dem interessierten Publikum eines ihrer Instrumente, als sei das alles nichts, als könnten auch Kinder darauf spielen. Ihr multifunktionales Begleitinstrument an diesem Abend ist eine Zither, „a German instrument, you can find it on ebay“. Mal nutzt sie es als Waschbrett, das den Rhythmus vorgibt. Mal ersetzt sie ihr die Harfe oder eine Harmonika, indem die Knöpfe des Aufsatzes einzelne Saiten verzerren oder in den Bassbereich verlegen können, um die Polyphonie ihrer Musik stärker zu akzentuieren.

Josephine Foster ist mit ihrem aktuellen Album „Faithful Fairy Harmony“ auf Europatour. Im Repertoire hat die Musikerin aber auch ihre anderen, oft wenig beachteten Alben aus ihrer fast zwanzigjährigen Karriere. Die musikalische Varianz ihrer Diskografie reicht inzwischen vom zarten Folk des Debüts von 2001, über Psych-Rock mit der Band The Supposed bis hin zu eigenwilligen Interpretationen von Schubert- und Brahms-Kompositionen oder Vertonungen der Lyrik der US-amerikanischen Dichterin Emily Dickinson.

Eine fragile Offenheit

Sanft getragen durch Flügel, Gitarre, Zither und Mundharmonika umreißt Josephine Foster bei ihrem Konzert am Mittwochabend im Roten Salon der Berliner Volksbühne mit ihrer klassisch geschulten Stimme alle Register dessen, was Folk sein kann. Fosters Stücke offenbaren in ihrem technischen Aufbau und der harmonischen Raffinesse eine fragile Offenheit, die erst in der Virtuosität ihres Live-Auftritts vollständig zum Tragen kommt. Ihre facettenreiche Stimme, die schleifen und in den Höhen glitzern kann, korrespondiert dazu, ebenso wie die instrumentalen Koloraturen und Pausen.

Fosters Stimme trägt lang und hallt bis an die Bar nach hinten. Das Solo, zu dem sie ansetzt, entpuppt sich schließlich als improvisiertes, hinauszögerndes Zwischenspiel. Die linke Hand greift nach Akkorden, die rechte schleicht zusammen mit der Stimme in alle Richtungen, durch alle Modulationen. Vieles ist mit wenigen Mitteln angedeutet, wie in einem guten Theaterstück. An einer Stelle des Konzerts leitet Josephine Foster dann mit einer Hand auf den Tasten ein, bringt die Zither und ihre Stimme zum Rauschen („And the birds began to sing“), um am Flügel schließlich in die Tonart des Anfangs zurückzukehren. Die Binnenerzählung ist beendet, der Rahmen gesetzt. Josephine Foster senkt die Stimme wieder leicht und geht zur nächsten Geschichte über.

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