Kein Krautrock: Can-Sänger Damo Suzuki wird 70 Jahre alt

Der Sänger Damo Suzuki, der heute 70 Jahre alt wird. Mit der Kölner Band Can nahm er drei Alben auf. Die waren womöglich kein Krautrock, aber in jedem Falle einflussreich. „Vitamin C“ von 1972 ist heute unser Track des Tages.

Damo Suzuki (Foto von Nick Soveiko, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

Kein Krautrock sei es gewesen, was die Kölner Band Can spielte. Diese für manche sicher seltsam anmutende Unterscheidung ist manchen ZeitzeugInnen wichtig. Während die 1968 gegründete Band anderen als Inbegriffs dieses Genres gilt. Wenn es denn ein Genre ist – entstanden war der Begriff eigentlich als Kategorie des britischen Popjournalismus, um ein paar spannende Bands aus Deutschland einzuordnen. Dem mit ziemlicher Sicherheit einflussreichsten britischen Radio-DJ John Peel wird der Terminus gern zugeschrieben; die deutsche Band Faust benutzte ihn später als Songtitel.

Doch gerade Faust und eben Can werden von manchen, die Anfang der 70er ein musikalisches Bewusstsein hatten, gegen den Begriff in Schutz genommen. Weil sie mit ihm ausufernde, uninspirierte und im negativen Sinne stümperhafte Improvisationen verbinden. Und wenn so etwas Krautrock ist, dann waren Faust und Can mit Sicherheit das Gegenteil. Auch wenn ein Can-Stück schon einmal 20 Minuten lang denselben Akkord halten konnte. Bei ihnen war das kein bekifftes, selbstzufriedenes Herumhängen auf der Bühne, zwischen Kerzen, Räucherstäbchen und Verstärkertürmen.

Anhaltender Einfluss

Can waren hochkonzentrierte Forscher. Die Hälfte der Band hatte beim Avantgarde-Komponisten Karlheinz Stockhausen studiert und Schlagzeuger Jaki Liebezeits Beats vermieden alle Rock-Assoziationen. Kein Rock also; und „Krauts“, also Deutsche – auf die Sänger traf auch das nicht zu. In den ersten zwei Jahren gehörte der Posten Malcolm Mooney, einem US-Amerikaner, der nicht zum Vietnamkrieg eingezogen werden wollte. Was ihm psychisch nicht gut bekam. Der Legende nach hatte Mooney einen Zusammenbruch, im Zuge dessen er nicht aufhörte, die Worte „upstairs, downstairs“ zu singen. Knapp 30 Jahre später stieß er wieder zur Band. 1970 übernahm der Japaner Damo Suzuki seine Rolle und war bis 1973 auf vier Can-Alben vertreten. Und vielleicht sogar den prägendsten: „Soundtracks“, „Tago Mago“, „Ege Bamyasi“ und „Future Days“ sind Platten, deren Einfluss man bis heute hört. Besonders deutlich vielleicht bei Stereolab.

Sounds wie der Synth in „Vitamin C“ waren prägend für minimalistische elektronische Tanzmusik oder etwa Post-Rock. Selbst Post-Punk, der das Gegenteil von 70er-Rock war, zehrte von Cans Erbe. Womöglich waren Can tatsächlich kein Krautrock – das liegt einzig im BetrachterInnenauge. Keine Ansichtssache hingegen: Cans Einfluss auf die Musik nach 1968 ist nicht zu unterschätzen.

Damo Suzuki wurde am 16. Januar 1950 geboren und wird heute 70 Jahre alt. Er war Sänger der Band Can unter anderem auf dem Album „Ege Bamyasi“ (1972). Von diesem stammt unser heutiger Track des Tages „Vitamin C“. Hört ihn Euch hier an:

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Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    andreas kahl
    Jan 18, 2020 Reply

    Herzlichen Glückwunsch..
    Habe kürzlich noch bei euch gehört, school of rock, dass Malcom Mooney auf Anraten eines Arztes aufhöreen sollte zu singen…sehr intensive Kunst war das damals. Vielleicht sogar manchmal zu bierernst. Oder andere bewussseinserweiternde Dingsda.
    Warst Du dabei, als „Dunkelziffer in der Achtzigern in Mülheim Ruhr im Winkhaus spielten? Ich denke schon.
    Deine Musikgenossen waren ja doch, außer Michael Karoli, alle eine Schnitte älter.
    Trotzdem, die Musik ist lebendiger denn je.
    Alles Gute für die nächsten Jahre!
    Can und Co haben mich in den Achtzigern stark geprägt. Woe so viele. Oftmals bin ich Freunden damit auch ganz schön auf den Senkel gegangen.
    `Tschuldigung, Jungs.
    Die,die noch leben. Macht weiter. „Alle machen weiter…“ (Rolf Dieter Brinkmann).
    Herr Suzuki, viel Spaß! I´m so green…hahaha. Ist ja auch aktueller denn je.

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