Kevin Ayers wäre 75 Jahre alt geworden

Foto des britischen Musikers Kevin Ayers der im August 2019 75 Jahre alt geworden wäre

Kevin Ayers

Lässt sich der Drang nach schöpferischem Ausdruck und die Sehnsucht nach dem einfachen Leben miteinander in Einklang bringen? Diese Frage scheint das Leben des britischen Musikers Kevin Ayers von Anbeginn seines Schaffens geprägt zu haben. Einerseits war er der Ansicht, dass Menschen, die Popstar werden wollen „nicht ganz klar im Oberstübchen sein“ könne. Seine Angst vor dem Ruhm hielt ihn jedoch nicht davon ab, 15 Soloalben zu veröffentlichen und in zahlreichen Kollaborationen tätig zu sein.

Geboren wurde Ayers in der englischen Grafschaft Kent. Einen Großteil seiner Kindheit und Jugend hat er allerdings in Malaysia verbracht. Dort lernte er früh einen Lebensstil kennen, der ihn nachhaltig prägte. Zunächst ging er mit 20 Jahren zurück nach England. Hier wurde er Teil der im Raum Canterbury heranwachsenden Musikszene. Wegweisend war für ihn die Aufnahme in die Band Wild Flowers. Dort begann er, Songs zu schreiben und zu singen. Nach einigen Besetzungswechseln wurde 1966 aus Wild Flowers Soft Machine, die mit ihrer Fusion aus die einflussreiche Prog-Rock und Jazz wichtiger Einfluss der Musik der späten 60er-Jahre war. Gemeinsam mit seinen Bandkollegen Mike Ratledge, Daevid Allen und Robert Wyatt erschuf Ayers einen Sound, der als eine der Triebfedern für den Psychedelic-Rock gilt.

Zwischen Sonnenhut und Rampenlicht

Der Erfolg wurde Ayers jedoch schnell zuviel. Und er verließt die Band bereits nach ihrem 1968 veröffentlichten selbstbetitelten Debütalbum und einer ausgedehnten US-Tour, auf der sie als Vorgruppe von Jimi Hendrix auftraten. Nachdem er seinen Bass verkaufte, zog er sich gemeinsam mit Daevid Allen in die damalige Hippie-Hochburg Ibiza zurück. Der Musik sollte er hier jedoch nicht den Rücken kehren. Denn er hatte eine Abmachung mit Jimi Hendrix getroffen: Dieser schenkte ihm nämlich seine Gibson J200 – allerdings unter der Bedingung, dass Ayers weiter Songs schrieb.

Dieser hielt sein Wort. Und schrieb auf der Sonneninsel sein erstes Soloalbum „Joy Of A Toy“. Es war eines der ersten Alben, das 1969 beim Prog-Rock-Label Harvest Records erschien. Wenig später entstand der Zweitling „Shooting At The Moon“. Für das Album stellte Ayers sogar eine Band zusammen. Mit dabei waren der junge Mike Oldfield an Bass und Gitarre und der Avantgarde-Komponist David Bedford.

Wendepunkt in Kevin Ayers‘ Schaffen

Am 1. Juni 1974 spielte Ayers gemeinsam mit John Cale, Nico und Brian Eno ein Live-Konzert. Spätestens ab diesem Zeitpunkt musste sich der Künstler zumindest teilweise von seinem Wunsch, ein einfaches Leben in der Anonymität zu führen, verabschieden. Das Konzert wurde später als Livealbum „June 1, 1974“ veröffentlicht und war ein großer Erfolg. Im selben Jahr gründet Ayers sein eigenes Label: Banana Productions. Die Symbolik der Banane schien es ihm angetan zu haben. Sie sollte sich in den Folgejahren immer wieder durch sein Schaffen ziehen.

Mitte der Neunziger zog es ihn dann zurück in seine englische Heimat. Doch die Sehnsucht nach dem sonnigen Klima trieb ihn schließlich in ein kleines Dorf nach Südfrankreich. Hier verbrachte er die letzten Jahre seines Lebens. Und veröffentlichte unter anderem 1992 „Still Life With Guitar“. Nach einer längeren Pause erschien dann 2007 sein 15. und letztes Soloalbum „The Unfairground“.

Am 18. Februar 2013 starb Kevin Ayers. Und hat scheinbar seine ersehnte Ruhe am Ende doch noch gefunden. So erzählte die Gemeindeverwaltung von Montolieu, seinem Wohnort, nach seinem Tod über ihn, dass er gelegentlich auf der Terrasse vor dem Dorfcafé Gitarre gespielt habe und eine seiner Gitarren mit der Aufschrift „Wer spielen will, möge spielen“ dort stehen ließ.

Mehr über Kevin Ayers, seine musikalische Karriere und woher sein Faible für Bananen rührte, erfahrt Ihr am 16. August um 19 Uhr im ByteFM Container mit Leif Gütschow.

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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