King Krule – „6 Feet Beneath The Moon“

King Krule - 6 Feet Beneath The MoonVÖ: 24. August 2013
Web: kingkrule.co.uk
Label: XL Recordings

Archy Marshall, der aufmerksamen Verfolgern der britischen Musikszene schon als Zoo Kid, Edgar The Beat Maker oder DJ JD Sports begegnet ist, veröffentlicht nun seine erste LP unter dem Namen King Krule. Das von Marshall mit Hilfe von Rodaidh McDonald (The xx, Daughter, Gil Scott-Heron) produzierte Erstlingswerk überzeugt mit seiner Vielseitigkeit. Das Ergebnis ist eine Dokumentation seiner persönlichen Entwicklung und breit gestreuten musikalischen Vorprägung.

Marshall spricht und singt sich mit viel Pathos und seiner rauen und markanten Stimme durch die 14 Songs. Wer das Gesicht zum Künstler nicht kennt, vermutet hinter der tiefen Stimme eher jemanden wie den Grime Künstler Roots Manuva. Falsch gedacht, es handelt sich um einen schmächtigen, rothaarigen Jungen. Vielleicht macht auch gerade die Inkongruenz von Optik zu Klang den enormen Wiedererkennungswert aus. Schon mit 8 Jahren schrieb er seinen ersten Song und werkelte fortan an seinem ganz persönlichen Sound.

Mit „Six Feet Beneath The Moon“ hat Marshall ein ambitioniertes Selbstporträt geschaffen. Er seziert mit verblüffender Genauigkeit Emotionen und deren Mechanismen. Seine Texte sind in ein poetisches Gewand gekleidet, wodurch Interpretationsspielraum geschaffen wird. Häufig geht es um Liebe, Ängste und Verlust, ohne jedoch in kitschige Gefilde abzudriften. Seine Vorgehensweise vergleicht er mit einem Fleischwolf, wobei sein Kopf als Verarbeitungsapparatur dient, in welchem Musik aus vergangenen Jahrzenten auf persönliche Erfahrungen in lyrischer Form trifft. Was dabei herauskommt, ist eine Ästhetik der Vermischung in ihrer besten Gestalt.

Auf dem Album treffen präzise nuancierte Beat-Konglomerate, die manchmal an den großen J Dilla erinnern, auf typische Jazz Akkorde. Intuitiv fügt Marshall seine Arrangements zu einem Gesamtkunstwerk zusammen. Durch unterschiedliche Tempi wird auf dem Album eine gewisse Spannung erzeugt. Kein Track klingt wie der vorherige, und doch zieht sich ein roter Faden hindurch: seine unverkennbare Stimme. Geboren und aufgewachsen ist Marshall in Dulwich – Süd London. Sehr britisch klingt auch schon der erste Track „Easy Easy“. Die Vocals reihen sich in die leichten Gitarrenriffs nahtlos ein. Ein bisschen erinnert das Ganze an The Streets, nicht zuletzt weil man durch die Zeile „Cause If You’re Going Through Hell / Just Keep Going“ an das Songwriting von Mike Skinner denken muss.

Pulsierende Klänge fügen sich mit elegischen Songzeilen bei „Has This Hit?“ zusammen. Die Stimme klingt verwundbar und stark zugleich. Es ist ein Track von ungeheurer Wucht, insbesondere wenn man bedenkt, dass Marshalls diesen Song schon unter seinem Pseudonym Zoo Kid im Alter von 16 Jahren veröffentlichte. Melancholisch geht es auf „Baby Blue“ zu, und erinnert an eine moderne Interpretation von Chet Baker. Flotter klingt „A Lizard State“. Darauf gibt es freaky, funky Jazzelemente, und ein dominantes Saxophon – und man möchte sogleich lostanzen.

Danach folgt das schlichte Stück „Neptune Estate“ von dem jedoch eine große Kraft ausgeht. Auf einen HipHop-Beat, der von einem weit entfernt klingenden Piano begleitet wird, singt er „I Wanna Be With You / I Wanna Be Used“. Und wer den Song mehr als ein Mal hört, erwischt sich schnell beim inbrünstigen Mitsingen. Das Album schließt mit „Bathed In Grey“ und gedämpften, seichten Pianoklängen. Zuletzt hören wir ihn „Has This Hit?“ fragen – und ja, das hat es.

Mit dem Veröffentlichungstag wird Archy Marshall junge 19 Jahre alt. Ein ekstatisches und überzeugendes Debütalbum, das Jeden, der sich darauf einlässt, berauscht zurücklässt. Die künstlerische Relevanz von Marshall ist unbestreitbar. Und deshalb: Repeat.

Das ByteFM Album der Woche.

In den ByteFM-Magazin-Sendungen spielen wir täglich Musik aus unserem Album der Woche. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „King Krule“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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