Konzertbericht: Woodkid in Köln

Er besitzt wahrscheinlich alles, was ein neuer Shooting-Star zum Erfolg in der Poplandschaft braucht: Charisma ohne Ende, Selbstinszenierung par excellence und eine gewisse Mystik, die seine Anhänger nie zu nah an ihn ranlässt. Woodkid aka Yoann Lemoine gastiert am Dienstagabend in Köln. Die letzten Karten für das Konzert sind bereits im Vorverkauf über die Theke gegangen. Dazu hat möglicherweise nicht nur sein Debütalbum „Golden Age“ beigetragen, sondern auch seine frühere Arbeit als Musikvideo-Regisseur. Aus der Hand des 30-jährigen Franzosen stammen Clips für Künstler wie Moby, Katy Perry und Lana Del Rey.

Woodkid präsentiert seine Show in einer monochromen Schwarz-Weiß-Ästhetik, für die er sich an ikonografischen Mitteln bedient. Futurismus, Science-Fiction aber auch Fantasy sind in seinen Visuals gleichermaßen vertreten. Undefinierbare Monster, Soldaten oder ausgestorbene Städte dominieren sein visuelles Konzept. Klanglich bietet er ein breites Repertoire, das seine Wurzeln im Songwritersegment hat. So bringt zum Beispiel der Song „Brooklyn“ von der EP „Iron“ Lemoines warme und zerbrechliche Stimme zur Geltung. Ein harter Kontrast, denn in den meisten Songs bettet er seine Melodien in explosive Kompositionen.

Die opulente Instrumentierung nutzt Woodkid für seine Dramaturgie, die unglaublich dynamisch wirkt. Fast alles wird live dargeboten, einzig die Streicher werden vom Synthie zugespielt. Auf der Bühne stehen drei Blasmusiker mit Posaune, Tuba und Trompete, ein Keyboarder und zwei Drummer. Symmetrisch, mal mit dem Rücken zueinander, mal abgewandt schlagen sie auf Pauken und Toms, damit sie Woodkids komplexe Arrangements von den ruhigen Parts zur donnernden Party steigern können. Bei „Run Boy Run“ mutiert die Live Music Hall zum Brutkessel, während die steinernen Soldatenstatuen in der Projektion zerbröckeln und das Blitzgewitter der Scanner die Bühne in grelles Licht taucht.

In den Songpausen erweist sich das Multitalent gegenüber dem begeisterten Publikum als angenehmer Gastgeber. Gut gelaunt kommuniziert er mit seinen Fans, um im nächsten Song wieder entschieden den Ton anzugeben. Die stampfenden Rhythmen in seinen Liedern, die Aufmärsche von Soldaten gleichen, unterstreicht Woodkid in metaphorischer Gestalt eines Generals mit eiserner Mission. Das gesamte Bühnenlicht wird gedämmt. Nur ein Spot erfasst den Heilsbringer, dessen Worte die Problematik vom Erwachsenwerden besprechen. Zwar gibt es Lichtblicke für die inneren Konflikte im jugendlichen Stadium, aber eine Katharsis ist nicht gesichert. Das ständige Ringen im Spannungsfeld zwischen Assimilation und Abgrenzung macht sich Lemoine zum Überthema. Davon handelt auch der letzte Song des Abends „The Other Side“. Die Gegenwart ist großartig, die Zukunft unbestimmt.

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