Kraftwerk-Gründer Ralf Hütter wird 70

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Die folgenden Zeilen sind einem Musiker gewidmet, über den es eigentlich kaum etwas zu sagen gibt. Denn Kraftwerk-Vater Ralf Hütter profiliert sich seit Menschengedenken vor allem durch Reserviertheit. Sollte man es anlässlich seines 70. Geburtstags am 20. August also bei einem einfachen „Happy Birthday, Ralf“ belassen? Nein. Zu interessant ist doch die Type Hütter.

1970 gründete Hütter gemeinsam mit Florian Schneider in Düsseldorf die Band Kraftwerk. Sie sollte bald zu der Band des Elektro-Pop avancieren – weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Für ihr 1973 veröffentlichtes Album „Autobahn“ erhielten Kraftwerk weltweit goldene Schallplatten; die gleichnamige Single erklomm die US-Billboard-Charts.

Der Kraftwerk-Sound ist bestimmt von einer engen Bindung zwischen Mensch und Maschine – Titel wie „Die Mensch-Maschine“ und „Computerliebe“ machen das deutlich. Diese Ausrichtung, fernab von Selbstdarstellung und Individualität, prägt auch das Image der Band, deren Konstellation mehrfach wechselte: Die einzelnen Musiker treten bei Kraftwerk zurück hinter das Konzept. Nur konsequent, dass Kraftwerk in den späten 70ern begannen, Roboter statt ihrer selbst in der Öffentlichkeit zu inszenieren.

Es ist diese Entpersonalisierung, die die äußere Wahrnehmung von Ralf Hütter bestimmt. Interviews mit ihm sind bis heute eine Rarität – und nicht selten eine Herausforderung für die Journalisten. Denn kryptische Antworten gehören zu Hütters gutem Ton, wie 2015 in einem Gespräch mit dem Rolling Stone. Da wurde er gefragt, ob Kraftwerk ihre Stücke auf der kommenden Tour in abgewandelten Versionen spielen würden. Hütters Antwort: „Sometimes there’s different traffic on the Autobahn.“

Zuletzt entfachte Hütter vor dem Verfassungsgericht eine Grundsatzdebatte über Sampling und Leistungsschutzrecht. Denn der HipHop-Produzent Moses Pelham hatte zwei Sekunden Kraftwerk-Sound verwendet – damit handelte er sich Hütters Ärger ein. Man könne ja wenigstens mal fragen! So wie es auch alle anderen taten, die Musik von Kraftwerk in ihren Stücken benutzt haben; genannt seien hier unter anderem Afrika Bambaataa, Dr. Dre, DJ Shadow, LCD Soundsystem oder J Dilla.

Man mag Ralf Hütter als schrägen Vogel oder verqueren Robohead bezeichnen, doch sein Einfluss auf die zeitgenössische elektronische Musik ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Kraftwerk sind (abgesehen von den Beatles) die wohl einflussreichste Band der Popgeschichte. Sie haben nicht nur den Grundstein für Techno und Synthie-Pop gelegt, sondern auch die Frühphase der HipHop-Kultur entscheidend beeinflusst.

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Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    Vanessa
    Aug 19, 2016 Reply

    Kraftwerk sind eindeutig größer als die Beatles! Wie hat doch einmal Derrick May, einer der Mitbegründer von Detroit Techno so passend gesagt: Ohne sie, würde es uns alle gar nicht geben. Kraftwerk sind the Godfather of Electronic Music. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

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