Land Of Talk – „Life After Youth“ (Rezension)

Cover des Albums Land Of Talk – „Life After Youth“ (Saddle Creek)

Erscheint: 19. Mai 2017
Web: Land Of Talk
Label: Saddle Creek

8,1

Für die meisten MusikerInnen sind Privatleben und musikalische Karriere nicht strikt voneinander trennbar. Dafür gibt man meist zuviel und bekommt im monetären Sinne zu wenig zurück. Dies trifft auch auf Elizabeth Powell, Sängerin, Gitarristin und Kopf der Band Land Of Talk, zu. Nach der Gründung der Band im Jahr 2006 in Montreal musste sie immer wieder Rückschläge hinnehmen: Bandmitglieder kamen und gingen, aufgrund von Stimmband-Polypen verlor sie beinahe ihre Fähigkeit zu singen. Nach dem 2010 erschienenen zweiten Studioalbum „Cloak And Cipher“ war Powell die Musikindustrie so leid, dass sie eine Pause brauchte, um die Musik wieder in den Vordergrund rücken zu können. Als ihr 2011 der Laptop mit allen Demos und Ideen für das nächste Album unrettbar abrauschte, verlor sie den Willen von vorn anzufangen. Als Elizabeth Powells Vater dann Anfang 2013 einen Schlaganfall erlitt, widmete sich voll und ganz seiner Pflege, bis er eines Tages im Krankenhaus zu ihr sagte: „Kannst Du bitte einfach wieder Musik machen?!“

Elizabeth begann wieder mit dem Schreiben, tat sich eher zufällig erneut mit dem ursprünglichen Land-Of-Talk-Schlagzeuger Bucky Wheaton zusammen und startete die Aufnahmen zu „Life After Youth“ mit ihm, dem Produzenten und Besnard-Lakes-Mitglied Jace Lacek, der schon die Debüt-EP der Band produziert hatte, sowie seiner Frau Olga Goreas. Powell bezeichnet das Album als ihre „Rückkehr nach Montreal“. Trotz dieses Zusammenspiels an den musikalischen Wurzeln, klingt „Life After Youth“ völlig anders als das rockige Debüt. Die erste Land-Of-Talk-EP „Applause Boo Cheer Hiss“ ragte 2006 durch ihre Energie, Powells besonderen Gitarrensound und ihr Spiel aus der vielgestaltigen Indie-Masse hervor. Auf den nachfolgenden Alben „Some Are Lakes“ und „Cloak And Cipher“ legte Powell den Fokus auf andere Bereiche, kam mehr über das Songwriting als über brachiale Klangwände. Dennoch brachten beide Langspieler einige formidable Songs mit sich, wie etwa das unglaublich traurige „It’s Okay“.

Auf dem neuen Album lag das Fundament von Powells Songwriting eher in Synth-Flächen als in herkömmlicher Rock-Instrumentierung, auch wenn der Opener „Yes You Were“ im ersten Moment wie ein softes Follow-up von „Applause Cheer Boo Hiss“ klingt und Gitarren immer sehr prominent vertreten sind. Doch entfaltet „Life After Youth“ eher eine melancholische Wärme, als dass es eine laute Comeback-Ansage wäre. „I don’t want to waste it this time“ singt Elizabeth Powell und strahlt dabei eine entspannte Gewissheit aus, wie sie vielleicht erst nach dem Ende der Jugend eintritt, wann auch immer dies kommt. Insgesamt ist das Album der perfekte Soundtrack für den vielfältigen Frühling. Zwar fehlt ihm der eine große Hit, der Ausreißer, aber dafür ist „Life After Youth“ aus einem schönen Guss und kann gut in Dauerschleife gehört werden. Es kommt ein wenig daher wie ein alter Freund der einen umarmt und sagt, dass man es gut gemacht hat. Wir können Elizabeth Powells Vater also dankbar sein.



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