Little Dragon – „New Me, Same Us“ (Rezension)

Cover des Albums „New Me, Same Us“ von Little Dragon

Little Dragon – „New Me, Same Us“ (Ninja Tune)

7,0

„Lerne mit Langeweile genauso umzugehen, wie damit, unter Leuten zu sein“, ist eine Tour-Weisheit der schwedischen Band Little Dragon. Ihr sechstes Album „New Me, Same Us“ ist die Audio gewordene Umwandlung dieser Tour-Erfahrung – ohne dass dies eine vernichtende Feststellung wäre. Little Dragons neuer LP fehlt der explorative Glanz und die diffuse Exzentrik vergangener Tage. Doch eine Qualität kann der Band niemand absprechen: Die vier Musiker*innen sind zusammen schön gealtert.

Nur wenige Bands haben es ohne echten Verkaufserfolg zu so universeller Anerkennung und einem solch breiten Spektrum an Sympathisant*innen gebracht wie die vier Göteborger*innen. Die Synthpop-Band um Sängerin Yukimi Nagano hat Fans quer durch alle Musik-Nischen. Damon Albarn, Mastermind der Band Gorillaz, bewundert sie so sehr, dass er sie mit auf Tour nahm. Egal, ob für Elektro-Produzenten (Kaytranada, Flume, SBTRKT), im HipHop (De La Soul, Mac Miller, Big Boi) oder im Jazz (BadBadNotGood) – ihr leicht mystischer Vibe fügte ihnen allen eine Geschmacksrichtung hinzu. Nach nunmehr dreizehn Jahren Bandgeschichte wuchs aber eine Erkenntnis, die schon etliche Bands erleben mussten: Nichts bleibt so, wie es mal war.

Let’s be boring together

Ungeachtet aller persönlicher Entwicklungen und Veränderungen im privaten Umfeld, schätzen Nagano und ihre drei Bandkollegen die Vertrautheit ihres Quartetts. Um das zu feiern, sollte „New Me, Same Us“ eine Art Geschenk an sich selbst sein. Doch Vertrautheit führt auch zu Komfort. Den merkt man einigen Songs in der Melodiegestaltung an. Der Opener „Hold On“ zeigt dieses Malheur, als dem anfangs coolen House-Groove (un)pünktlich zum erwarteten Höhepunkt komplett die Puste ausgeht. Gekoppelt mit Textzeilen wie „One thing that you should know / I never meant to hurt you so / I wish you happiness, joy / Good fortune, boy“, schweift der Geist schnell mal ab.

„Every Rain“ ist einerseits sehr poetisch, aber klingt auch wie jeder beliebige Popsong. „New Fiction“ kommt leicht ausgewaschen aus der Maschine, aber gerade als man dem Song dafür böse sein will, rollt sich ein liebenswerter Piano-Teppich aus. „Sadness“ erinnert mit seinem Uptempo-Funk-Pop an die Zeiten, als Jamiroquai noch cool waren – aber bleibt eben auch so bieder. Dafür hält „Rush“, was der Name verspricht. Hier spürt man in dem Mix aus Electro und Afrobeat die alte Neugier auf Sounds. Und so schiebt sich das Album fast durchgängig zwischen Ödnis und vereinzelten Oasen umher, an denen sich das Ohr erfrischen kann.

Irgendwie ist „New Me, Same Us“ aber nicht eintönig, denn Little Dragon vermischen abermals unglaublich viele Stile, Instrumente und Stimmungen. Aber richtig mitreißen kann es nicht. Es ist wie mit dem Artwork: „New Me, Same Us“ erinnert mit dem bunten Fragment-Stil an ihr Album „Machine Dreams“ (2009). Doch auch wenn sich Ähnlichkeiten erkennen lassen, fehlt für wahre Freude der neue Reiz. Little Dragon fühlen sich wohl mit ihrem Sound und das hat bei allen Wägbarkeiten auch seine Vorzüge. Man kennt sich eben. Und mit den Vertrauten lässt sich Langeweile auch genießen.

Veröffentlichung 27. März 2020
Label: Ninja Tune

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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