Metronomy – „Metronomy Forever“ (Rezension)

Cover des Albums „Metronomy Forever“ von Metronomy

Metronomy – „Metronomy Forever“ (Because Music)

7,3

Für immer! Wie groß. Ein Versprechen, das real kaum zu halten ist. Eine Ansage, die zum übertriebenen, aber selbstermächtigenden Habitus einer Rap-Crew (siehe „Wu-Tang Forever“) viel eher passt als zu einer britischen Electro-Pop-Band. Bei Metronomy-Mastermind Joseph Mount ist „für immer“ aber keine großspurige Proklamation, sondern die leidenschaftliche Hoffnung, das musikalische Kollektivgefühl seiner Band konservieren zu können.

Metronomys sechstes Album zeigt sich gewohnt vielseitig. Verschwimmende Genre-Grenzen sind heute zwar keine Besonderheit mehr, bei Metronomy ist es viel mehr die unterschwellige Mischung der musikalischen Einflüsse und das Selbstbewusstsein, auch mal komplett Ruhe einkehren zu lassen. Das machen Mount und Co. mit leicht psychedelischen Ambient-Stücken zwischen dem lockeren Indietronica-Sound. Auf „Lying Low“ oder „Miracle Rooftop“ ganz ohne Text aber auch ohne die richtige Idee, diese Songs weniger wie Skizzen klingen zu lassen.

Forever okay

„Metronomy Forever“ gönnt sich unnötige Längen, was sich schon auf dem Opener „Wedding“ andeutet. Die 54 Minuten Spielzeit sind recht viel für ein Album, auf dem wenig erzählt wird. Weil auch die Kompositionen selten echten Sog entwickeln, bleibt das Gefühl beim Durchhören oft bei „okay“ hängen. Da lässt die Band uns öfter mit dem seltenen Gefühl zurück, dass die Songs live wahrscheinlich noch eine Spur geiler klingen.

Dabei sind die Zutaten für ein runderes Ergebnis durchaus im Topf. Es gibt Indie-Pop aus der Garage („Lately“) oder mit „The Light“ auch eine Prise R&B-Groove, der an Blood Orange erinnert. „Whitsand Bay“ ist ein warmer, schöner Metronomy-Song wie aus dem Lehrbuch. Dagegen wirkt „Sex Emoji“ wie eine nervige Textaufgabe, die wir jetzt echt nicht gebraucht hätten.

Das Album erzeugt etwas zu viele Fragezeichen. Bassist Olugbenga Adelekan spielt seinen Fünf-Saiter ziemlich Sofa-sexy. Warum wird diese Qualität so oft reduziert? Oder wie auf „Walking In The Dark“ durch Kirmes-Sequencer ersetzt. Momente, die so klingen, als wenn Damon Albarn fixe Ideen mit seinem Tablet-PC aufnimmt. Anders geht es auf „Lately (Going Spare)“. Da wartet sogar ein kleines Synthie-Solo à la Funkadelics „Atmosphere“.

Wenn Leute fragen, welche KünstlerInnen und Bands dieses Jahr etwas wirklich Faszinierendes gemacht haben, liegen andere Namen eher auf der Zunge als Metronomy. Aber wer ganz genreunverfänglich einen Musiktipp braucht, liegt bei der Band aus England nicht falsch. „Metronomy Forever“ ist sicher kein Album für Musikchroniken. Für immer wird es nicht weitergehen – aber wenn Metronomy noch eine Weile so bleiben, wäre das schon sehr okay.

Veröffentlichung: 13. September 2019
Label: Because Music

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    Robert Hahne
    Sep 19, 2019 Reply

    Anfänglich ebenso skeptisch wie der Rezensent habe ich nach mehrmaligem durchgängigen Hören Karten für´s Konzert bestellt.
    (Wer sonst in ihrer Sparte hält dieses *****Niveau über vier Scheiben hinweg? Das sind nicht viele…)

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