Michael Kiwanuka – „Kiwanuka“ (Album der Woche)

Cover des Albums „Kiwanuka“ von Michael Kiwanuka

Michael Kiwanuka – „Kiwanuka“ (Polydor)

Ziemlich genau zur Mitte seines neuen Albums, tritt der britisch-ugandische Musiker Michael Kiwanuka kurz auf die Bremse: „Hero“ beginnt nur mit einer sanft gestreichelten Akustikgitarre. Kiwanukas Stimme, wenige Sekunden vorher noch überlebensgroß, klingt plötzlich ganz nah und klein. Als wäre das hier nicht der Nachfolger eines mit dem Mercury Prize ausgezeichneten Erfolgsalbums, als würde er mehr zu sich selber singen als zu einem Millionen-Publikum. „I won’t change my name / No matter what they call me“, singt diese Stimme. Der Name dieses Albums: „Kiwanuka“.

Laut eigener Aussage stellte sich Kiwanuka schon häufiger die Frage, ob er wohl mehr Alben verkaufen würde, wenn er einen Namen hätte, der einfacher von der Zunge rollen würde. Schließlich hatten schon seine Lehrer zu Schulzeiten Probleme damit, diesen auszusprechen. Wie soll sich dann ein auf griffige Titel konditioniertes Publikum diesen Namen merken können?

Triumphaler Trotz

Doch Michael Kiwanuka blieb Michael Kiwanuka. Kein catchy Pseudonym, keine Finten und Ablenkungsmanöver. Er bleibt ein „Black Man In A White World“ – und hat auch 2019 keine Lust, sich anzupassen. Es scheint wie eine Trotzreaktion, dass sein drittes, ambitioniertestes Album nach seinem Nachnamen benannt ist. So bricht auch in „Hero“ wenige Sekunden nach dem introspektiven Intro ein überwältigendes Feuerwerk aus Violinen, Fuzz-Gitarren und Chören aus.

Denn auch die Musik wirkt ein bisschen wie eine Trotzreaktion. Genau wie beim Namen ist es ein triumphaler Trotz: Auf „Kiwanuka“ finden sich keine offensichtlichen Hits wie auf dem Vorgänger „Love & Hate“, kein „Black Man In A White World“ oder „Cold Little Heart“. Stattdessen wechselt er von Song zu Song das Genre, beginnt mit „You Ain‘t The Problem“ mit Afrobeat, reist mit „Rolling“ in Richtung Psych-Rock, schiebt mit „Piano Joint (This Kind Of Love)“ eine zärtliche Ballade ein – nur um schließlich mit dem zwischen Gospel, Folk und Prog zirkulierenden „Light“ zu enden.

„Kiwanuka“ ist ein Album im traditionellen Sinne. Keine auf Playlisten optimierte Singles-Sammlung, sondern gefüllt mit sich auf mehrere Minuten streckenden Intros und Interludes. „Kiwanuka“ braucht und verlangt Zeit. Und „Kiwanuka“ bleibt dem Namen seines Schöpfers treu. Egal, wie Leute ihn nennen. Egal, was für Songs sie von ihm wollen: Kiwanuka wird seinen Namen nicht ändern.

Veröffentlichung: 1. November 2019
Label: Polydor

Bild mit Text: „Ja ich will Radiokultur unterstützen“ / „Freunde von ByteFM“

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