Michael Kiwanuka – „Love & Hate“ (Album der Woche)

Cover des Albums Love & Hate von Michael KiwanukaMichael Kiwanuka – „Love & Hate“ (Polydor)

Veröffentlichung: 15. Juli 2016
Web: michaelkiwanuka.com
Label: Polydor

Manches musikalisches Talent verbringt sein Leben lang als Sessionmusiker und lässt die eigenen Projekte für immer in den Archiven schlummern – manchmal werden solche Aufnahmen dann Jahre später entdeckt und gefeiert. Bei Michael Kiwanuka muss es gar nicht so weit kommen, denn der britisch-ugandische Gitarrist nahm 2011 sein Schicksal selbst in die Hand. Zwei EPs reichten aus, um Adele, die damals gerade mit ihrem Album „21“ zum Multi-Platinum-Weltstar avancierte, davon zu überzeugen, Kiwanuka als Support mit auf Tour zu nehmen. Kurzerhand wurde er von der BBC zum vielversprechendsten Newcomer gewählt. Sein Debüt „Home Again“ bestätigte 2012, dass hier der Richtige ausgezeichnet wurde, und bescherte Kiwanuka internationalen Erfolg.

Seitdem wurde es still um den Musiker. Das war die Ruhe vor dem Sturm, denn mit „Love & Hate“ ist ihm ein markantes, mitreißendes Album gelungen. Die Seele von altem, staubigen Folk lässt Michael Kiwanuka auf der Platte ebenso aufleben, wie die warme Brillanz von klassischem Soul. Das Unmittelbare, Unfertige vom Debüt ist warmen und dichten Arrangements gewichen. Der mit allen Wassern gewaschene Danger Mouse hatte hier ebenso wie Produzenten-Newcomer Inflo seine Finger im Spiel. Somit gibt es keinen Platz für Pausen oder freie Strukturen. Alle zehn Songs auf „Love & Hate“ folgen von Anfang bis Ende einem tighten, klanglichen Skript.

Bewegend füllen sich die ersten fünf Minuten vom Opener „Cold Little Heart“ – Piano und Streicher und wortlose Backing-Vocals bereiten die gespenstische Grundlage für ein markiges Gitarrensolo und die klagende Stimme von Kiwanuka, der den Song Richtung Katharsis führt. Überhaupt – die klassischen Themen Liebe und Verlust halten, wie es der Titel vermuten lässt, „Love & Hate“ zusammen. Ob im verschwörerisch klingenden, auf hallenden Streichern gebetteten „Falling“ oder im Titelstück mit Roots-Rock-Anleihen – Michael Kiwanuka versteht es, die traditionelle Verbundenheit von Freude, Schmerz und Pathos in moderne Arrangements zu packen.

Das Understatement bestimmt dabei „Love & Hate“. Kiwanuka braucht keine ausgefeilten Produktionstricks oder oktaven-umspannende Klagegesänge, um mitten ins Herz zu treffen. Seine nüchternen Gesangsparts erreichen mit einer einfachen Instrumentierung die größte Strahlkraft. Hier und da heulen die Streicher auf, verzehrt sich die E-Gitarre in Soli – dann schweigt Kiwanuka und lässt die Musik zu seinem ehrlichen Sprachrohr werden.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Michael Kiwanuka“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

Unser Album der Woche – mit freundlicher Unterstützung von Raumfeld.

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Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    Platte der Woche: Michael Kiwanuka – Love & Hate
    Jul 18, 2016 Reply

    […] Gesangsparts erreichen mit einer einfachen Instrumentierung die größte Strahlkraft.” (Byte FM | Album der […]

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