Neue Platten: Balthazar – "Rats"

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6,9

Belgien, das Land, das musikalisch hauptsächlich von dEUS geprägt ist, bekommt langsam Konkurrenz, die den alten Herren das Wasser reichen könnte. Balthazar, die sich 2004 gegründet haben und anschließend bei diversen Band-Contests und Talentshows aufgetreten sind, suchten lange nach ihrem eigenen Stil. Erst als besagte Band dEUS sie als Support mit auf Tour nahm, stieg der Bekanntheitsgrad. Nach einer ausgedehnten Tour durch Europa und Festivalauftritten, auf denen Balthazar durchaus mit ihren Live-Qualitäten überzeugen konnten, haben sie sicherlich eine Menge Fans gewonnen. Auch auf dem SXSW-Festival in Texas ließen sie sich dieses Jahr blicken.

Inzwischen sind zwei Jahre vergangen, seitdem das Debütalbum „Applause“ hierzulande veröffentlicht wurde. Nun erscheint der Nachfolger. „Rats“ heißt die neue Platte und bei einem durchaus gelungenen Debüt darf man auch eine gesteigerte Erwartungshaltung gegenüber dem Neuling haben. Wie schon beim Erstlingswerk, hat das Quintett „Rats“ selbst produziert. Sie besuchte lediglich Noah Georgeson in LA, als sie durch die USA tourten, der das Mixing übernahm. Im Groben und Ganzen scheint alles beim Alten geblieben zu sein. Balthazars Stärke ist jedoch das Verbinden von orchestralen Elementen mit ihren alternativ-poppigen Soundideen. Ganz nach dem Motto: „Mehr ist besser“.

Einen herausragenden Track gibt es auf dem Album nicht. Es ist ein Album, das versucht, ohne Hits auszukommen und dadurch als Gesamtwerk funktioniert. Leichtfüßig kommt „Sinking Ship“ daher, dem Maarten Devoldere seine Stimme leiht. Das Cello im Hintergrund tut sein Übriges und die ruhigen Passagen, die diese Kombination verursacht, werden spielerisch abgerundet durch Xylofonklänge. Die Stimmung in „Lion’s Mouth (Daniel)“ ist dagegen wesentlich melancholischer. Wohlplazierte Pianoklänge und vor allem der chorale Hintergrundgesang prägen den Song. Die Violine, die ja fester Bestandteil der Ausstattung von Balthazar ist, wird vor allem in „Later“ mal wieder munter gefiedelt, natürlich von Patricia Vanneste. Zusätzlich greift sie zum Mikrofon und untermalt zart den Gesang von Jinte Deprez, dazu eine flotte Basslinie und fertig ist ein tanzbares Popprodukt aus Belgien. Bei „Applause“ wurden die Fertigkeiten von Bassist Simon Casier sehr häufig genutzt; auch etwas, das sich bei der neuen Platte kaum geändert hat. Er sticht immer noch bei fast jedem der zehn neuen Tracks deutlich heraus.

Balthazar haben auf „Rats“ kaum experimentiert, ihr Stimmungspop bewegt sich immer noch in den selben Sphären wie schon 2010. Das steht dem Endprodukt gut zu Gesicht. Allerdings fehlt die Innovation. Die neuen Stücke sind allemal livetauglich, wie die Band schon auf dem Appletree Garden Festival Ende Juli bewies, jedoch fehlt eine Hymne wie es „Blood Like Wine“ auf dem Debüt war. Um sich mit dEUS messen zu können, fehlt Balthazar wohl noch ein ganzes Stück. Besser ist es aber, von den Vergleichen mit der belgischen Kultband abzusehen und Balthazar eine gute zweite Platte zu bescheinigen. Das Quintett wird die Überholspur so schnell nicht verlassen.

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