Neue Platten: Beat Spacek – „Modern Streets“

Cover des Albums Modern Streets von Beat SpacekBeat Spacek – „Modern Streets“ (Ninja Tune)

Ein Futurist und Querdenker war er schon immer. Doch mit seinem neuesten Projekt hat der britische Sänger und Produzent Steve White aka Beat Spacek seine musikalische Vision von einer besseren Zukunft perfektioniert. Einer Zukunft, in der auch die vermeintlich Hoffnungslosen eine gute Bildung erhalten („Back To School“), in der an jeder Ecke ein tanzbarer Beat lauert und in der die Radiowellen mit Liebe („Inflight Wave“) durchtränkt sind: „In the future, the love is gonna fill the airwaves“.

Doch nicht nur in textlicher, auch in musikalischer Hinsicht blickt Beat Spacek mit seinem neuen Album „Modern Streets“ nach vorne. Die 13 Tracks jedenfalls wagen sich mit ihrer kruden Mischung aus Electro-Funk, digitalem Dancehall, Soul, ghanaischem Highlife, 8-Bit-Ragga und den ziemlich amüsant daherkommenden Nintendo-Melodien auf bisher unerhörtes Gebiet. Zumal die experimentellen Beats stets mit dem brüchigen D’Angelo’schen Falsettgesang des Briten ghanaischen Ursprungs konterkariert werden. Auch sonst enthält die Musik starke Kontraste, etwa wenn die sehnsüchtige Verzweiflung in „I Want You“ mit den dahin gedudelten Synthies konterkariert werden oder die subtil angedeuteten Dubstep-Wobble-Bässe in „There Is A Love“ der eindeutigen Botschaft eine psychedelische Note verleihen.

„Modern Streets“ erzählt in seiner an kulturellen Versatzstücken reichen Informationsdichte außerdem von einer musikalischen Sozialisation, wie sie wohl nur die Musik-Metropole London ermöglicht. Denn bevor White sein neuestes Soloprojekt startete, betrieb er das Spacek Sound System, war Mitglied der legendären R&B-Electronica-Band Spacek und aktuell beim Duo Africa Hitech, während er nebenbei mit Größen wie J Dilla, Mos Def oder seinem Bruder, dem Drum-&-Bass-Produzenten dBridge zusammenarbeitete. Dass diese Kollaborationen ihre Spuren hinterlassen haben, hört man dem Album an. Im Unterschied zu vielen anderen eklektischen Künstlern gelingt es Beat Spacek jedoch, weniger einen typischen Stilhybrid als einen ganz neuen Stil zu erschaffen: Future Soul?

Label: Ninja Tune
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