Neue Platten: Crystal Antlers – "Nothing Is Real"

Crystal Antlers - Nothing Is Real (Innovative Leisure)Crystal Antlers – „Nothing Is Real“ (Innovative Leisure)

7,5

„Licorice Pizza“, der Vorbote zu „Nothing Is Real“, schlägt in den ersten Takten mit voller Kraft ein. Den Titel des Songs könnten sich Crystal Antlers von Black Flag geklaut haben. Eine derer ersten Singles trägt diesen Namen. So derb wie die Mutter aller Hardcore-Bands klingen Crystal Antlers auf ihrem dritten Album nicht, doch ihre Energie kommt aus der gleichen Ecke.

Die Gruppe aus Long Beach in Kalifornien ist im Jahr 2009 mit ihrem Debüt „Tentacles“ auf den Plan getreten und ließ sich damals gut in die Nähe von Garage-Noise-Bands wie No Age und Male Bonding einordnen. Ähnlich diesen Bands scheppert und kracht es in den Songs der Crystal Antlers nicht selten. Was Wiedererkennungswert schafft, sind die Melodien, die an den Postpunk-Sound des New York der 70er-Jahre erinnern. Das gilt auch für die Stücke auf „Nothing Is Real“.

Das dritte Album der Band ist rauer und kraftvoller geworden als die Vorgänger, doch immer wieder tauchen zwischen dem perfekt eingetakteten Schlagzeugspiel von Kevin Stuart und der energischen Stimme Johnny Bells eingängliche Harmonien auf. So zum Beispiel im Opener „Pray“, der einem für einige Sekunden weismachen will, dass es hier zurückhaltend zugehen könnte. Dann brechen sich ein rauer Gesang und ein schneller Snareschlag den Weg frei. Ein Synthie und eine wehmütig heulende Gitarre geben dem Ganzen festen Boden unter den Füßen.

Andere Töne schlägt die Band mit „We All Gotta Die“ an, das passend zum Titel mit seinem düsteren, gedämpften Poltern Endzeitstimmung hervorruft. In eine nahe Kerbe schlägt „Don’t Think Of The Stone“, das wie ein psychedelischer Noisewalzer daherkommt. Wachrütteln können Crystal Antlers natürlich auch. Zum Beispiel mit dem knüppeligen Lo-Fi-Stück „Better Things“ oder „Persephone“, bei dem sich eine rasselnde Gitarre durch Moll-Schichten kämpft, begleitet von Bells durch einen Verzerrer gepressten Stimme.

So halten sich auf „Nothing Is Real“ durchweg raue Wucht und bedächtiges Poltern die Waage. Zu Anfang wird an der Gitarre gesägt, zu Ende „Just Like Honey“ und dem Fuzzsound von The Jesus And Mary Chain rumpelig Tribut gezollt.

Dieses Album bereitet einem Freude darüber, dass es Lautstärkeregler gibt, und eignet sich besser zum Stressabbau als jede Yogastunde. „Auch mal im Ärger baden, statt ihn auszuatmen“, möchte man der Band dafür als Motto unterjubeln.

Label: Innovative Leisure | Kaufen

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