Neue Platten: Foxygen – „… And Star Power“

Foxygen - „… And Star Power“ (Jagjaguwar)

Foxygen – „… And Star Power“ (Jagjaguwar)

7,8

Diese zwei Jungs von Foxygen … Die haben es faustdick hinter den Ohren. Hat man ihnen bei ihren letzten zwei Alben noch die Mär vom zu schnellen, zu häufigen Genrewechsel erzählt, hat sie geliebt oder gehasst für ihren stringenten Sixties-Sound, in dem sie nun wirklich alles – von Motown über Kinks bis hin zu The Mamas & The Papas – in einem Song miteinander verzwirbelten, hat dieser Band Fortschritt im Rückbezug attestiert, ja, hat gar den Fehdehandschuh geworfen, bereit, sich mit den Engsten für diese Band zu überwerfen. Wofür? Für nichts. Für eine Sturheit, die beinahe schon frech daherkommt. Für eine Attitüde, die man mit „Wir machen das schon immer so“ überschreiben möchte.

Mit ihrem dritten Werk „… And Star Power“ gehen die zwei Kalifornier dem Erwartungsdruck, der auf dem Album nach DEM Album („We Are The 21st Century Ambassadors Of Peace & Magic“) lastet, ganz einfach aus dem Weg, schnallen sich ihr akustisches Skateboard an und rollen genau die Routen entlang, auf die sie Lust haben. Ohne Rücksicht auf Erwartungen, ohne Vorgaben, mit großer Freude am Klang und mit unendlicher Vielfalt im Detail.

„… And Star Power“ erzählt die Geschichte einer fiktiven Punkband. Eine Punkband, in der du und ich und alle anderen auch spielen könnten. Eine Punkband des Konsens. So widersprüchlich diese Beschreibung ist, so widersprüchlich ist auch das neue Werk von Foxygen. Sie bleiben dem, was sie schon immer tun, in einer Konsequenz treu, dass es beinahe wehtut. Man möchte sie anschreien, die beiden Jungspunde: „Ihr seid jung! Ihr seid wild! Ihr wart mal frisch und neu! Entwickelt euch!“. Nun, da lächeln sie einem nur gelassen ins Ohr und greifen wieder zu ihren Dreiklängen, zu ihrem choralen Gesang, zu ihrem präsenten Piano, dem Verzerrer und dem übersteuerten Mikrofon. Das passt insgesamt hervorragend zusammen. Die Songs sind clever aufgebaut, haben disharmonische Momente, kleine raffinierte Stilbrüche oder ein dauerhaft nervendes E-Piano. Sie funktionieren gut, schweifen ins Psychedelische ab und fordern beim Hören heraus.

Und trotzdem. „… And Star Power“ liegt eine Nonchalance zugrunde, die manchmal ins Belanglose abrutscht. Das Album wirkt in seiner Gesamtheit wie ein verkrampfter Versuch, der alten Lässigkeit gerecht zu werden. Das liegt an dem wahllosen Einstreuen einzelner Fragmente, das hängt zusammen mit dem ewigen Hin und Her zwischen Rock, Punk, Psychedelic, Pop und Surfer-Musik. Das liegt insgesamt aber wohl an der bereits erwähnten Konsequenz, mit der Foxygen sich dem Sixties-Einschlag verschrieben haben. Das Album hat eine Gesamtlänge von 82 Minuten. Für heutige Hörgewohnheiten durchaus eine Herausforderung.

Vielleicht ist weniger manchmal mehr? Vielleicht heißt Stillstand manchmal doch Rückschritt? Vielleicht ist vielleicht aber auch nur ein relativierendes Wort für ein ganz und gar gelungenes Album, das eben nicht die Erwartungen übertrifft, sondern anvisiert und zerschießt.

Trotzdem möchte man den Foxygen-Jungs die langen Zotteln aus dem Gesicht streichen, sie fest an sich drücken, ihnen zu ihrem Mut zur Sturheit gratulieren und mit ihnen eine Runde Skaten gehen.

Foxygen live, präsentiert von ByteFM:

05.11.14 Berlin – Frannz

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