Neue Platten: Ja, Panik – „DMD KIU LIDT“

Cover des Albums Ja, Panik – „DMD KIU LIDT“ (Staatsakt)

Wer? Was? Warum? ByteFM Redakteure besprechen eine Auswahl aktueller Neuerscheinungen.

Wer? Bands, die aus Berlin stammen, sind ja nichts Besonderes. Etwas Besonderes indes ist es, wenn eine Band, ursprünglich aus dem österreichischen Burgenland stammend, via Wien letztlich in Berlin landet und von dort aus die deutschen Kritikerherzen erobert. Ja, Panik ist diese besondere Band. Sänger Andreas Spechtl scherzte vor einem guten Jahr noch in der Fernsehsendung „Willkommen Österreich“, das neue Album werde passend zu den Vorgängeralben „The Taste And The Money“ und „The Angst And The Money“ „The Money And The Money“ heißen. Ganz so einfach machen Ja, Panik es uns nun nicht, stattdessen trägt das neue Werk den kryptischen Titel „DMD KIU LIDT“.

Was? Verschlüsselung ist ohnehin etwas, dass sich durch das gesamte Werk Ja, Paniks zieht. Musikalisch beschränken sich die Stücke auf das Wesentliche, sie sind in klassischer Bandbesetzung instrumentiert, hauptsächlich sind Gitarre, Bass, Schlagzeug, Klavier und Orgel zu hören, gegenüber dem Vorgänger wurde das Tempo etwas reduziert. Auf textlicher Ebene gehen Ja, Panik einen Schritt weiter in Richtung Komplexität. Es handelt sich um abstrakte, sperrige Texte auf höchstem Niveau, die herausfordernd sind, deren vollkommener Sinn sich entweder nie ergibt oder nur bruchstückhaft, da Spechtl sie aus Zitaten, eigenen Kompositionen, aufgeschnappten Satzfragmenten und Rückbezügen auf das eigene musikalische Schaffen der Vergangenheit zusammensetzt. Sein deutsch-englischer Mischgesang führt vor, wie kunstvoll sich verschiedene Sprachen miteinander vermischen lassen, was sich in großartigen Stücken wie „Run From The Ones That Say I Love You“ äußert.

Warum? Warum ist es aber nun lohnenswert, sich mit einem kryptischen Werk auseinanderzusetzen? Es hat damit zu tun, dass Ja, Panik ein Gesamtkunstwerk sind, eine Mischung aus Musik, Literatur und Theater. Kannte man Ja, Panik bislang nicht, mag es schwer fallen, mit diesem Album einzusteigen. Doch so funktioniert das Konzept „Ja, Panik“ auch gar nicht. Ein Album zu hören reicht nicht, um die Hintergründe zu verstehen. Hierfür muss alles gehört werden. Von vorne bis hinten, immer und immer wieder. Und wie es bei Kunstwerken oft so ist, ist am Ende trotzdem immer noch nicht alles klar. Doch genau aus dem Grund beschäftigt man sich jedes Mal aufs Neue damit. Man versteht ein Fragment mehr oder versteht es eben doch nicht, interpretiert vieles hinein und interpretiert doch falsch. Am Ende stellt man sich die Frage, was „DMD KIU LIDT“ denn nun bedeutet. Man sagt, es heißt „Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit“. Egal, man muss es gar nicht wissen, gerade die verschlüsselten Texte üben doch den Reiz auf uns aus, uns immer wieder mit dem Kunstwerk auseinanderzusetzen. Ja, Panik selbst beantworten die Frage nach der Bedeutung des Albumtitels, nachdem sie in dem 14-minütigen Schlussstück etliche Definitionsmöglichkeiten vorschlagen, am Ende mit fast neun Minuten Stille. Das ist groß. Überhaupt bleibt der Eindruck, dass Ja, Panik allerspätestens nach diesem Album eine große Band sind.

Label: Staatsakt

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Diskussionen

2 Kommentare
  1. posted by
    newerapublications.de » Blog Archive » Fünf junge Bohemians – ZEIT ONLINE (Blog)
    Apr 15, 2011 Reply

    […] ByteFM Magazin […]

  2. posted by
    Musik am Montag » Blog Archiv » Ja, Panik: DMD KIU LIDT
    Apr 18, 2011 Reply

    […] dieses Album ist keineswegs kryptisch, schon gar nicht mit der Entschuldigung, Kunst zu sein. Dabei handelt es sich bei DMD KIU LIDT, dem […]

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