Neue Platten: Jack White – "Blunderbuss"

XL Recordings/Beggars Group(XL Recordings/Beggars Group)

8,5

Schwarzes, mittellanges Haar, ein weißes, meist ausdrucksloses Gesicht. Im Hintergrund läuft „Grinnin‘ In Your Face“ von Son House. „That’s my my favorite song … It became my favorite song the first time I heard it and it still is.“

Für Jack White kann ein Song, zusammengesetzt aus einfachen Elementen wie Stimme und Händeklatschen, allen musikalischen Zauber beinhalten: Rock ’n‘ Roll, Ausdruck, Kreativität und Kunst. Für seine eigene Musik sollte es dann aber doch noch ein wenig mehr sein. Metaphorisch gesprochen möchte er eine Platte wie eine Donnerbüchse („Blunderbuss“), in die man einfach alles hineinpacken kann, um es dann gemeinsam abzufeuern. Obschon der Multi-Instrumentalist White seine Platte hätte auch alleine einspielen können, scharte er einen ganzen Haufen Musiker um sich, um seine Songs mit ihm zu interpretieren. Der White-Stripes-Genius leistet dann auch gleich mal einen Beitrag zur Gender-Forschung in musikalischem Kontext. Denn er stellte gleich zwei Bands zusammen: eine Band aus rein weiblichen Musikern und eine andere aus männlichen. Zusammen mit ihnen erarbeitete er ein Repertoire bestehend aus 40 Songs.

John Anthony Gillis ist ein beeindruckender Musiker, Komponist und Produzent. Mit seinem eigenen Label Third Man Records widmet er sich in Nashville, der Heimatstadt der US-amerikanischen Country-Musik, ausschließlich der Produktion und Vermarktung von Indie-Bands und besonderen Vinyl-Veröffentlichungen. Erst kürzlich fuhr der Label-eigene „Rolling Record Store“, ein liebevoll aufgearbeiteter alter Van, über das South By Southwest Festival von Bühne zu Bühne, um vor Ort die geschätzte Musik seiner Bands an den Mann oder die Frau zu bringen. Jack White ist von ganzem Herzen Musiker, und genau aus diesem Grund konnte er nicht anders, als seine eigene Solo-Platte zu produzieren. Schließlich waren seine Bandkollegen von The Raconteurs und The Dead Weather mit eigenen Projekten (The Kills, Queens Of The Stone Age, The Greenhornes) beschäftigt, sodass White in Kürze acht Songs fertig hatte und diese irgendwo „untergebracht“ werden mussten.

Das Gesamtwerk „Blunderbuss“ glänzt durch viel Liebe zum Detail und durch die gelungene Verschmelzung der zwei Elemente Garage Rock und Blues. Bei seinen 13 Titeln schafft es White, sein ganzes Instrumentenspektrum durchzuspielen. Trotz seines durchschlagenden Namens, startet White sein Soloalbum mit einem relativ ruhigen Pianothema im ersten Titel „Missing Pieces“. Seiner großen Liebe zum Blues verleiht er hierbei gekonnt am Rhodes Piano Ausdruck. Im krassen Gegensatz dazu folgt der zweite Song „Sixteen Saltines“, ein klassischer Garage-Rock-Titel. Bei „Freedom At 21“ vertauscht White clever die Rollen von Drums und Gitarre. Die Gitarre als straighter, düsterer Taktgeber und ein hintergründiges, fast jazzig verspieltes Drumset umgarnen Whites helle, schrill anmutende Stimme. Unterbrochen wird das Ganze gen Ende von einem gut sitzenden Gitarrensolo. Mit einer gehörigen Portion romantischer Pianoklänge und einem Hauch Country durch die Pedal-Steel-Gitarre folgt alsbald der Namensgeber des Albums. Überhaupt bilden die Tasten des Pianos gefühlt den Mittelpunkt von „Blunderbuss“. Nach einigem Hören wird recht klar: Das Gros der Tracks ist um die entsprechenden Klavierthemen gebaut, wobei sich der Komponist selbstredend nicht um eigene Gitarrensoli bringen lässt. Bei „I’m Shakin“ kann dann der Meister – ganz im Sinne des oben genannten Vorbildes – die „wenigen“ Dinge zum Tragen kommen lassen: „… just singing & clapping and it meant everything. It meant everything about Rock ’n‘ Roll …“ Track acht von „Blunderbuss“ gewinnt seine Dynamik aus dem Händeklatschen und dem stimmlichen Einsatz, unterstützt wird das Ganze von treibenden Drums und (für Whites Verhältnisse) simplen Gitarren. Ein wenig bizarr wird’s dann bei „I Guess I Should Go To Sleep“. Die Klavier-Parts lassen sich so auch mit einem Saloon während des Goldgräberrausches im Wilden Westen assoziieren. Das Ganze wird garniert mit einem, dem Album sonst eher fremdem, Klangbild, instrumental wie auch gesanglich, das so auch aus der Feder von Cat Stevens stammen könnte und problemlos zum „Harold-And-Maude“-Soundtrack hinzugefügt werden könnte.

Fraglos gilt er als einer der größten noch lebenden musikalischen Virtuosen, nicht ohne Grund trat Jack White neben Jimmy Page und The Edge in der E-Gitarren-Dokumentation „It Might Get Loud“ auf. Obschon „Blunderbuss“ ohne musikalische Neuerungen oder große Überraschungen aufwartet, ist es schlicht ein durch und durch gutes Album, und zwar für jeden, der ein – wie auch immer geartetes – Faible für Musik hat! Aufregend wird’s dann auf Tour, denn Herr White nimmt angeblich beide Bands, weiblich wie männlich, mit, und entscheidet kurz vor der Show, wer das Set mit ihm spielen darf!

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