Neue Platten: John Tejada – „Parabolas“

Von kathy

Wer? Was? Warum? ByteFM Redakteure besprechen eine Auswahl aktueller Neuerscheinungen.

Wer? John Tejada ist ein österreichischer DJ und Produzent elektronischer Tanzmusik und wuchs als Sohn einer Sopranistin und eines Dirigenten in Los Angeles auf. Mittlerweile lebt und arbeitet er in St. Fernando Valley. Tejada ist Betreiber der beiden Labels Palette Recordings und Sonikore Recordings. 1991 fängt er an, Techno-Tracks zu produzieren, die 1994 bereits durch das Londoner A13 Label veröffentlicht werden. Der Techno-Produzent und DJ Daniel Bell veröffentlicht ihn ebenfalls auf seinem Label 7th City Johns, welches besonders für den weltweiten Vertrieb von Detroit-Techno bekannt war. Tejadas Erfolg ermutigt ihn, 1996 sein eigenes Label, Palette Recordings, zu gründen, um dort vor allem eigenen, eher housigen Produktionen eine Plattform zu bieten. 2009 mixte er die 44. Ausgabe der renommierten Compilation-Serie „Fabric Live“. Wer sich nicht für Techno interessiert, kennt ihn vielleicht als technischen Ratgeber der zweiten Hälfte von The Postal Service: Jimmy Tamborello. Zusammen mit Tejada nahm dieser sein Solo-Album als James Figurine auf und half beim Postal Service Remix von Feists „Mushaboom“.

Was? „Parabolas“ ist Tejadas erste größere Veröffentlichung seit drei Jahren und die erste auf dem Kölner Kompakt Label. Kompakt ist zum Inbegriff des Minimal Technos in Deutschland geworden, und wenn man „Parabolas“ hört, freut man sich, dass Tejada und Kompakt endlich zueinander gefunden haben. Der Opener „Farther and Fainter“ ist grandios und zieht den Hörer in bester four-to-the-floor Manier in seinen Bann. Understatement und Reduktion waren immer die bemerkenswerten Merkmale des Minimal Technos und John Tejada ist einfach schon viel zu lange dabei, um diese Regeln nicht zu kennen. Er bedient sie und erschafft dabei eine Intimität und Atmosphäre, die den Hörer höflich zum Tanz bitten. So besticht das Album vor allem durch seinen Abwechslungsreichtum: Es gibt auch ruhigere Tracks, wie beispielsweise „Dreams“. Wie der Titel vermuten lässt, mutet dieser Song wie eine kleine eingeschobene Piano-Traumsequenz. „Subdivided“ sticht da genauso hervor wie „The Living Night“, beide Songs bauen sich um wunderbare Melodien auf und verbinden sich dabei mit einem unaufdringlichen Bass.

Warum? Bei all dem, was Tejada bisher schon geschaffen hat, ist ihm mit „Parabolas“ ein kleines Meisterwerk gelungen. Tejada präsentiert hier sein ganzes Talent als Produzent. Er selbst sagte über dieser Zusammenarbeit mit Kompakt: „I wanted to experiment with some longer phrases again and to step away from the analog sequencers more and get back to using my hands to create the melodies“. Dies ist ihm mit großer Detailverliebtheit geglückt und er schafft es, den Hörer langsam aber sicher mit in die Tiefe zu ziehen. Das was im Techno gerne „deep“ genannt wird, funktioniert hervorragend. Tejada macht das nämlich so höflich und unangestrengt, mit so viel Nonchalance, dass man ganze Nächte zu „Parabolas“ tanzen wird.

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