Neue Platten: Majical Cloudz – "Impersonator"

Majical Cloudz - Impersonator (Matador)Majical Cloudz – „Impersonator“ (Matador)

9,0

Wunderschön schwermütig klingt das neue Album von Devon Welsh und Matthew Otto alias Majical Cloudz. Das Duo aus Montreal veröffentlicht mit „Impersonator“ seinen dritten Tonträger. Das Debüt „II“ aus dem Jahr 2011 und die darauffolgende EP „Turns Turns Turns“ ebneten den Weg für das wohl persönlichste Album dieses Jahres.

Majical Cloudz machen Synthie-Pop auf die etwas andere Art: Mit minimalistischem Sound nutzt Welsh den negativen Raum seiner Musik und lenkt die Aufmerksamkeit damit auf seine Stimme und seine Texte. „Impersonator“ ist auf den Punkt gebracht. Ohne viel Zierde steht Welshs Bariton-Stimme im Vordergrund und durchdringt die Hörer mit emotionalen Texten. Das Duo widersetzt sich dem Trend, die heutzutage hundertfach gegebenen (technischen) Möglichkeiten zu nutzen und in seine Songs zu packen, es reduziert, wo es nur geht: „Musically, I wanted to try saying ’no‘ to possibilities and create negative space in the songs to put the emphasis on the voice and lyrics.“ Und die Devise „Weniger ist mehr“ funktioniert: Selten geht Musik so unter die Haut.

„Impersonator“ beginnt mit geloopten Geigen- und Vocalklängen im gleichnamigen ersten Track. Nach einigen Sekunden, in denen man sich etwas alleingelassen in der Leere fühlt, tritt Welshs Stimme aus dem Dunkel hervor und eröffnet das Album mit einem ersten Geständnis: „See how I’m faking my side of it / I’m a liar, I say I make music“. Fast unmerklich geht der Track in den nächsten, „This Is Magic“, über. Welsh selbst sagt, er habe den Song impulsiv geschrieben und erst im Nachhinein festgestellt, dass er aus der Perspektive gerade dem Tod ins Auge zu sehen eine letzte Rechtfertigung oder Erklärung für sich selbst schrieb. Spätestens jetzt wird klar, dass Majical Cloudz auf „Impersonator“ nicht die Intention haben, die Rezipienten energiegeladen und voller Zuversicht in die Welt zu entlassen.

Es ist, als würde man im Kopf einer Person festsitzen, deren Gedanken sich fast ausschließlich um die düstere Seite der eigenen Seele drehen: Welsh verarbeitet so intime Gefühle und Erinnerungen in seinen Texten, dass das Zuhören schon fast unangenehm werden kann. So jagd einem der Song „Childhood’s End“ einen wahren Schauer über den Rücken, wenn Welsh mit Zeilen wie „Someone died / Gunshot right outside / Your father / He is dead / I see him in my head / Childhood’s end / Goodbye my holy friend“ seine Jugend reflektiert. Dabei ist die Musik der beiden nie unterkühlt, sondern immer voller Wärme. Besonders in „I Do Sing For You“ ist das zu spüren.

In „Mister“ und „Turns Turns Turns“ wird musikalisch etwas zugelegt, Welshs Stimme bleibt trotzdem am durchdringendsten. Matthew Otto, Sound-Hauptverantwortlicher, hat beide Songs musikalisch voller und dynamischer gestaltet, was in der Album-Mitte eine willkommene Abwechslung ist. „Silver Rings“ ist wieder minimalistischer und man mag kaum glauben, dass Devon Welsh keine Gesangsausbildung hat, bei diesen perfekt klar gesungenen Textpassagen. Der nächste Track „Illusion“ plätschert etwas ereignislos vor sich hin, bis er in das epische „Bugs Don’t Buzz“ übergeht und dessen erste Klavierklänge und Welshs Stimme mit den Zeilen „The cheesiest songs end with a smile / This song won’t end with a smile, my love“ die Stille zerreißen. „Hey man, sooner or later you’ll be dead / I want you to know I’ve got respect / Both of us have seen the light“ sind die Worte, die Majical Cloudz einem im letzten Song „Notebook“ noch mit auf den Weg geben, bevor man aus dem Bann von „Impersonator“ entlassen wird.

Devon Welsh hat auf „Impersonator“ seine intimsten Gedanken, Wünsche und Selbstzweifel vertont. Das klingt ungefähr wie eine Mischung aus The National und The xx, geht ganz schön an die Substanz und ist ein faszinierendes Album geworden.

Label: Matador | Kaufen

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