Neue Platten: Niels Frevert – „Zettel auf dem Boden“

(Tapete Records)

9,1

Zwischen den Veröffentlichungen von Niels Frevert vergeht mehr Zeit als bei anderen Musikern. Der Künstler arbeitet langsam. Doch wer sein neues Album „Zettel auf dem Boden“ bewusst hört, begreift, warum es nicht viel schneller gehen kann.
Niels Frevert besingt seinen Alltag. Der könnte eintönig, langweilig oder auch grau sein. Doch der von Niels Frevert beschriebene Alltag erscheint trotz aller Melancholie in den goldenen Farben des Herbstes. Die Erzählungen in seinen Songs sind Miniaturen, nach persönlichen Gesichtpunkten gestaltet. So kann in der Küche unter der Spüle hinter Abwaschschwämmen, Glühbirnen und Waschmittel der Weg zum Gasthof am „Küchensee“ liegen, wie im gleichnamigen Song, in dem Niels Frevert auch beschreibt, wie sich die Nachbarn über Lärm und eine Überschwemmung beschweren. Es könnte sein, dass Frevert uns mit dem Stück von einem gewöhnlichen Rohrbruch in der eigenen Küche erzählt. Aber das macht er so fantasievoll, dass der beschriebene Alltag schön wirkt, verträumt und kein bisschen banal.
Wie auf seinen früheren Alben verzichtet Niels Frevert völlig auf die Inszenierung von Pathos. Er ist ein Freund kleiner dezidierter Gesten. Dazu passt auch seine Aussage „Je weniger man sagt, desto besser sollte es überlegt sein“.

Neben Niels Freverts Stimme steht meist gezupftes Gitarrenspiel, dazu kommen Streicher, Flügelhorn, Klavier, Bass, Schlagzeug und gelegentlich ein Akkordeon. Im Song „Ich würde dir helfen, eine Leiche zu verscharren, wenn’s nicht meine ist“ kommt außerdem ein Chor zum Einsatz, dessen Mitglieder unter anderem Nils Koppruch und Gisbert zu Knyphausen sind.

„Zettel auf dem Boden“ ist ein abwechslungsreiches und doch sehr zusammenhängendes Album geworden. Genau das Richtige, um im Park den wehenden Blättern hinterher zu blicken oder einfach nur aus dem Fenster zu schauen. Eine Platte für den Herbst.

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