Neue Platten: Shearwater – "Fellow Travelers"

Shearwater - Fellow Travelers (Sub Pop)Shearwater – „Fellow Travelers“ (Sub Pop)

5,0

Shearwater sind seit ihrem ersten Album „The Dissolving Room“ ihrer musikalischen Richtung treu geblieben. Folkrock, der sowohl textlich als auch melodisch zwischen Tragik, Ärger und Schmerz pendelt. Damit stehen sie nicht fernab von Okkervil River – der Band, aus der Shearwater hervorgegangen ist. Die Songs von Shearwater haben jedoch weniger Pop-Appeal, wirken dramatisch, aber ungeschliffen und rau. Das zeigt sich bei „Animal Joy“, das 2012 erschienen ist. Es zeigt sich auch bei „Fellow Travelers“.

Das neunte Shearwater-Album folgt einem Konzept. Für „Fellow Travelers“ hat sich die Band um Jonathan Meiburg Tracks von anderen Bands, Musikerinnen und Musikern vorgenommen, mit denen sie bereits auf Tour waren. Dazu gehören Coldplay und St. Vincent ebenso wie Wye Oak und Clinic. Der erste Song, der auf dem Album hervorsticht, ist „I Luv The Valley OH!!“. Beim Hören des Originals hat man den Eindruck, dass sich niemand außer Jamie Stewart diesem Stück annehmen könnte. Die Unruhe in der Stimme und das aufgeregte Grundrauschen sind Xiu Xiu eigen. So geht auch was bei der Übersetzung von Shearwater verloren, dennoch kickt das Stück überraschend gut als Voll-nach-vorne-Folkrocknummer mit sägenden Gitarren.

Auch schön: „Mary Is Mary“, im Original von Wye Oak. Shearwater haben die Länge des Stückes halbiert und ihm mit akustischen Gitarren zu mehr Dichte verholfen. Hier spielt sich ein ruhiges Drama um Gitarre und Meiburgs Stimme ab. Wärmer klingt „Ambiguity“, ein guter Folksong für die Nacht. Der Rest der Cover wirkt weniger gelungen. Beim Coldplay-Stück „Hurts Like Heaven“ wird sich an den hohen Tasten eines Klaviers ausgetobt, dazu kommt wie aus einem anderen Raum ein matter Gesang. Das ergibt kein Ganzes. Und manchmal meinen es Shearwater zu gut mit der Kraft und der Lautstärke – bei „Cheerleader“ wird derb in die Saiten gehauen, dazu rattert das Schlagzeug in einer Tour.

Eine schöne Idee, der Musik von Menschen, mit denen man eine Bühne geteilt hat, ein Coveralbum zu widmen. Viele der Stücke auf „Fellow Travelers“ wirken leider zu unausgegoren, unausgewogen, zu holprig. Den Originalen werden feine Dimensionen genommen, aber außer einer Portion Rock keine neuen hinzugegeben. „Fellow Travelers“ hat ein, zwei interessante, besondere Momente, aber vielleicht hätte es auch eine exklusive Tour-EP getan.

Label: Sub Pop | Kaufen

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