Neue Platten: Snorri Helgason – "Winter Sun"

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7,2

Snorri Helgason gründete mit 21 Jahren die Band Sprengjuhöllin, die in Island wohl ziemlich gern gehört wurde und mit der er auch größere Festivals auf dem amerikanischen Kontinent bespielte. Vor drei Jahren folgte dann der Wechsel des Gesangs von der isländischen Sprache zum Englischen sowie das erste Soloalbum „I’m Gonna Put My Name On Your Door“. Das sollte nicht ganz so massentauglich sein wie die sehr chartige Band, doch wurde ähnlich beliebt auf der kalten Insel.

So kann Snorri Helgason auf seinem zweiten Album „Winter Sun“, das jetzt auch in Deutschland erscheint, auch einige Namen der bekannteren isländischen Musikszene versammeln. Und zwar nicht als Featurings, sondern als Musiker, deren Mitarbeit man erst einmal herausfinden muss. So sind an Instrumenten und Backing Vocals Musiker von Múm oder Hjaltalín dabei und Sóley spielt Klavier. Produziert hat es dann kein anderer als Sindri Már Sigfússon (Sin Fang/Seabear), der scheinbar bei sehr vielen isländischen Veröffentlichungen seine musikalischen Finger im Spiel hat.

Das Album ist nach der Wintersonne benannt, eigentlich ein in Snorris Heimat eher immer nur kurzzeitiges Vergnügen, sind die isländische Wintertage doch immer sehr kurz. Und auch das Album glänzt durch nur 37 Minuten Spielzeit. Wie der Albumtitel heißen auch gleich zwei Stücke des Albums, wobei auffällt, dass das mit der Nummer Zwei versehene Lied als erstes läuft und „Winter Sun #1“ den Abschluss des ganzen Albums bildet. Die Gefahr bei diesem Stück, die auch bei dem ganzen Album, wie auch bei vielen seiner Singer-Songwriter-Kollegen besteht, ist, ins zu Balladenhafte, ins Schnulzige abzudriften. Jedoch sind die meisten seiner Stücke eher belebend und positiv, erinnern musikalisch etwas an die 50er-Jahre („Caroline Knows“) oder Americana („99 Songs“). Seine raue Stimme ergänzt die abwechslungsreichen Melodien, „Julie“ erinnert an eine romantische Version von „Beg, Steal Or Borrow“ der Babyshambles.

Einige Songs, zum Beispiel „Mockingbird“, erinnern dazu an die waldverliebte Entspanntheit, die man aus der amerikanischen Folk- oder New-Folk-Musik von den Fleet Foxes oder Devendra Banhart kennt. Die Themen Snorri Helgasons drehen sich dabei auch gerne um die Natur, wie auch die erste, schon etwas bekannte Single „River“ zeigt. Dabei ist sein Stil irgendwie sehr leicht und gar nicht so deprimierend wie Naturverbundenheit im Herbst sein kann. Es gibt genug „dadudamdam“ und Klatschen auf diesem Album, um sich in die gelb leuchtenden Herbstwälder zu begeben oder einfach nur die heimische Playlist mit ein paar Stücken dieser Musikrichtung sehr schön zu ergänzen.

„Wenn Snorri eine Mango wäre, sollte man sie jetzt essen“, so wird „Winter Sun“ in seinem Heimatland Island bewertet, es gilt als eines der Alben des Jahres. Auch wenn es diesem Kompliment, der subjektiven Rezensentin-Meinung nach, nicht ganz nachkommt, da einige Stücke hinter anderen zu stark zurückfallen und nicht so innovativ klingen wie angekündigt, ist es doch ein schönes Album.

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