Neue Platten: Spring Leads You Home Tonight – "Letters Of The Lost"

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7,5

Große Melodien kommen wieder aus Hamburg: Spring Leads You Home Tonight überraschen mit ihrem fantastischen Debüt.

Formell ist das Erstlingswerk des norddeutschen Oktetts (!) schon seit Dezember in Händen zu halten, dies aber nur über den Umweg der direkten Bestellung bei der Band selbst. Das alles hat nun aber eine Ende, denn „Letters Of The Lost“ genießt das verspätete Privileg einer offiziellen Veröffentlichung. Schon im Dezember des vergangenen Jahres besuchte ByteFM die Band im Proberaum, um die ein oder andere Frage zu stellen. Der erste Langspieler von Spring Leads You Home Tonight ist im Herbst 2011 in kompletter Eigenregie von den acht konzipiert und aufgenommen worden. Und das, was man da so zu hören bekommt, ist arg eindrucksvoll.

Schon der Opener „Footprints“ gibt einen recht expliziten Eindruck von der musikalischen Idee der Band. Vorsichtige Gitarren, eine zarte Geige und Sebastian Schweigatz‘ durchdringende Stimme eröffnen den Song, ehe die ruhige Grundstimmung des Stückes von flirrenden Synthie-Melodien, energischen Gitarren-Riffs und dynamischen Drums durchbrochen wird, die wieder einsetzende Geige befördert den Song dann in ungeahnte melodische Sphären. Etwas düsterer und melancholischer geht es dann beim Namensgeber des Albums zu; auch „Letters“ ist geprägt von dem Wehmut weckenden Einsatz der Geige und den treibenden Drums. Gesanglich entwickelt sich der zweite Song der Platte zu einem melancholischen Duett zwischen Sebastian Schweigatz und Benjamin Broutschek. Euphorischer geht es bei „Self-made Sky“ zu: prägnante Drums, grelle, fast manische Synthesizer und wiederum viel, viel Größe im musikalischen Gesamtkonstrukt. Eine Größe, die dem unglaublichen Gespür für das Spiel mit Spannungen und musikalischen Tiefen geschuldet ist. Man kann den Titeln quasi beim Aufbau zuhören, ehe jene hörbaren Gerüste wieder einstürzen, nur um sich dann gänzlich neu zu konstruieren. Jedes Stück eine wohlgefeilte Kurzgeschichte. Auch bei „Shine On!“ ist das zu bestaunen: Phlegmatische, schwere Riffs mühen sich scheinbar Broutscheks minimalistische, aber markante Stimme zu ersticken, doch unaufhaltsam gewinnt der Song eine klangliche Dimension und Dynamik, die orchestrale Züge trägt, nur um dann am Ende ganz sanft auszufaden. Etwas schlanker und auch tanzbarer wird es bei der ersten Single-Auskopplung des Albums „Loss Division“; funkige Synthies, druckvolle Drums und ein wundervoller Hall über Schweigatz‘ Stimme geben dem Song außerordentlich viel Kraft. Am Ende dieses großartigen Debüts gibt’s dann sogar einen echten Hidden Track, akustisch aufgenommen in einer Kirche und getragen von Alison Thomas‘ wundervoller Stimme, die neben den Backing Vocals auch das komplette Sound Engineering übernimmt.

Viel Dynamik, viel Tiefe, viel Melancholie und viel Tanzbares liefern die Herren und die Dame von Spring Leads You Home Tonight auf „Letters Of The Lost“. Fragt man nach musikalischen Anleihen oder Einflüssen, landet man fix bei Bands wie Arcade Fire oder Bright Eyes, aber die Acht schaffen eben ein ganz eigenes musikalisches Werk, dass solche Vergleiche fast verbietet.

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