Pelzig – „Medium Cool World“ (Album der Woche / Rezension)

Cover des Albums Medium Cool World von PelzigVeröffentlichung: 27. November 2015
Web: pelzig-music.de
Label: Cargo

Von Mittelmaß keine Spur bei Pelzig. „Medium Cool World“, der Titel des neuen Albums, rührt natürlich nicht vom eigenen Schaffen her. Die bayerische Band kam durch die Feststellung, dass nicht alles dichotom in „cool“ und „uncool“ eingeteilt werden kann, darauf. Vielleicht entspringt die Idee dem Frust über Versuche anderer, den beständigen Alternative-Rock von Pelzig bestimmten Kategorien zuzuordnen. Aber genauer betrachtet wird das den vier Musikern nach 20 Jahren gemeinsamen Musikmachens herzlich egal sein.

Mitte der 90er tat sich einiges in Ingolstadt. René Arbeithuber und Rainer Schaller machten bei zwei frisch gegründeten Bands gemeinsame Sache: bei Slut und bei Pelzig. Hier sind noch Christian Schaller und Christian Schulmeyr mit am Werk. Und elf Jahre nach „Safe In Its Place“ gibt es nun von Pelzig Album Nummer vier. „Medium Cool World“ hat mehr als eine mittlere Portion Lässigkeit. Reibeisig, rau, provokant klingen die zehn Tracks. Pelzig arbeiten mit den Grundwerkzeugen des Rock, nehmen auch mal eine breitbeinige Pose ein, aber von Muckertum keine Spur.

Die Single „Battles“ erinnert stark an den angedunkelten, ergreifenden Rock von Interpol. Synthiemelodien werden mit großer Dramatik zwischen beharrliche Gitarren geschoben. Christian Schulmeyr singt ungerührt, mit fester Stimme darüber. Auch „Stuck In“ bedient sich ausufernder Arrangements, denen durch Spoken-Word-Parts noch mehr Dringlichkeit verliehen wird. „Trasher“ fährt mit Distortion-Sound, gedämpften Shouts und aufgekratztem Schlagzeug Frühe-90er-Reminiszenzen hoch.

Der titelgebende Song „My Medium Cool World“ zieht einen mit elektronisch-bedrohlichem Pluckern und einer spärlichen, verzerrten Melodie in trübe Gewässer. Und den Höhepunkt an Coolness erreichen Pelzig mit dem rotzigen Track „A Club Called Night“. Dessen eingängig getaktete Gitarren und das Schlagzeug, das man beinah für eine Drum-Machine hält, hätten 2005 alle auf die Tanzfläche gezogen. Oder tuen das auch heute noch. Pelzig folgen mit „Medium Cool World“ ihrem eigenen Rhythmus, nicht an Moden gebunden, völlig straight und unbekümmert.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Pelzig“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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