Presseschau 18.02.: Schwermetallanalysen

„Wir müssen reden“, so Angela Merkel zu Karl-Theodor zu Guttenberg. Der Verteidigungsminister kommt dieser Tage nicht mehr aus der Kritik heraus, erst das Afghanistan-Debakel, nun soll er sich auch noch seinen summa cum laude ausgezeichneten Doktortitel erschummelt haben. Ghostwiriting ist zwar nicht im Gespräch, aber Schlamperei beim richtigen Zitieren. Keine Kleinigkeit in der Rige von Karl-Theodor, wo der Penibilitätsgrad nach oben keine Grenzen kennt und eine öffentliche Debatte anstößt, die unverzeihlich für den Kanzlerkandidaten in spe sein könnte. Angela Merkel indes bekundet vollstes Vertrauen zu ihrem Minister, möchte aber gerne eine Erklärung darüber, was an den Plagiatsvorwürfen dran ist, meldet die Zeit. Die Vorwürfen gegen zu Guttenberg belaufen sich mittlerweile von mindestens 15 bis zu knapp 80 (!) nicht gekennzeichneter Stellen in seiner Doktorarbeit. Ach ja, so einfach kann Wissenschaft sein. Wer seine Dissertation auch mit summa cum laude gekürt wissen will, dem sei noch das entsprechende Handwerkszeug ans Herz gelegt: läuft noch sechs Tage!

Ein bisschen mehr Muße bei der Recherche hatte Dietmar Elflein, dessen neues Buch „Schwermetallanalysen“ in der Zeit vorgestellt wird. Rock versus Metal: Dietmar Elflein hat sich mit den Songstrukturen des Heavy Metals auseinandergesetzt und kommt zu dem Schluss, dass der Metal eher dem Blues ähnelt, denn der europäischen Musiktradition. Den Rock hingegen ordnet er mit seiner Strophe-Refrain-Struktur hier ein, beim Metal findet er Reihungen in der Komposition und erlaubt sich die Folgerung, dass im Metal ein größeres Repertoire an Riffs zum Einsatz kommt, als im Rock. Der Metaller an sich ist aber nicht nur virtuos, sondern versteht sich auch noch auf ehrliches Handwerk und das ergibt, so Elflein, die komplexen Strukturen des Heavy Metals. Als musikalischer Corpus dienten der Untersuchung die Kompositionen von Metallica, Megadeath, Black Sabbath, Judas Priest, Iron Maiden, AC/DC, Guns N‘ Roses, Motörhead, uvm.

In der NZZ gratuliert Angela Schader der Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison zum 80. Geburtstag. Der am 8.2.1931 in Lorain, Ohio, geborenen afroamerikanischen Schriftstellerin gelang mit „Solomons Lied“ 1977 der Durchbruch. Sie thematisiert in ihren Werken immer wieder gesellschaftskritisch die Suche nach Freiheit und die Versklavung der Schwarzen in Amerika. Sie wusste immer wieder zu schockieren, etwa mit Handlungen, in denen eine Mutter es vorzieht, ihre eigenen Kinder zu töten, als sie in Sklaverein groß werden zu lassen. Die Schriftstellerin genügte sich aber nie in einfacher Aufrechterhaltung der Dychotomie zwischen weißer Unterdrückungskultur und schwarzer Opferrolle, sondern prangerte stets auch Probleme innerhalb der schwarzen Community in den USA an.

Das Berliner Jazz-Label FMP, Free Music Production wird keine Veröffentlichungen mehr tätigen. Dem Leiter des Labels, Jost Gebers, fehlt mit nunmehr 70 Jahren schlichtweg die Lust weiterzumachen. Die in Berlin ansässige FMP hatte seit 1969 Jazzschallplatten herausgebracht und kann nun zum Ende ihrer Existenz auf über 300 Veröffentlichungen zurückblicken. Besonders dem Free Jazz widmete sich das Label. Unangepasstheit und künstlerische Freiheit wurden immer groß geschrieben. Zum Abschied gibt es eine LP-Spezial Edition mit Bildband und Essays, die in der NZZ besprochen wird.

Zur Veröffentlichung des Debüts „Different Gear, Still Speeding“ von Oasis minus Noel Gallagher aka Beady Eye traf sich Chirs Salmon vom Guardian mit Liam und co zum Interview. Die Gefühle sind immer noch verletzt nach Noels Ausstieg 2009, aber Liam ist sich sicher, dass auch Beady Eye ein Erfolg wird. Wie gewohnt geschmacksfatalistisch sagt er über das Album, dass es genau die Musik enthält, die sie als Band machen wollen und ist von der Ausgereiftheit mehr als überzeugt. Wem das nicht gefällt oder hip genug ist, Pech, wer indes zählen möchte, wie oft das Wörtchen „fuck“ im Gespräch fällt, klickt hier!

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