Roskilde 2019: zwischen Nostalgie und Zukunftsvisionen

Foto von Leuchtstoffbuchstaben, die das Wort Roskilde bilden

Beim Roskilde Festival in Dänemark trifft Non-Profit-Gedanke auf ein eklektisches, spektakuläres Line-up (Foto: Götz Adler)

Verschont von der mitteleuropäischen Hitzewelle zeigte sich die 49. Ausgabe des größten Non-Profit-Festivals Europas vor den Toren Kopenhagens auch bei kühlem Wetter Anfang Juli wieder von seiner vielfältigen Seite. Die täglich über 80.000 BesucherInnen hatten die Gelegenheit auf dem Weg durchs umfangreiche Festivalprogramm, ihre ganz eigene Geschichte zu schreiben. Das startete mit dem nostalgieverliebten 80s-Pop von Tears For Fears und setzte zum Abschluss auf ein hit-orientiertes Set der Hispano-Rapper Cypress Hill mit Mixmaster Mike als DJ.

Das legendäre Orange-Feeling auf der größten Festivalbühne kam bei dem rund um das Jubiläumsalbum „Disintegration“ aufgebauten Konzert von The Cure genauso zum Tragen wie bei dem exzellent choreografierten Auftritt von Janelle Monáe oder beim vital-selbstironischen Gig des stimmlich immer noch umwerfenden Robert Plant an der Seite seiner Band The Sensational Space Shifters, die teils mit originellen Versionen von Led-Zeppelin-Songs überzeugten. Weniger dagegen beim raustimmigen Kauz Bob Dylan oder dem uninspiriert auf der Bühne wirkenden Wu-Tang Clan, der immerhin den 50. Geburtstag von RZA mit dem Mobiltelefon-Leuchten des Publikums feiert.

Musikalische Brücken zwischen Folk, Electronica und Noise

Frühaufsteher erlebten bei Mittagskonzerten entweder eine wahrhaftige „magic experience“ mit Houstons Soundtrack-Funk-Psychedelikern Khruangbin – dank eines ungewöhnlichen Stageactings und einem Aufzug zwischen Vokuhila und Kleopatra. Oder sie ließen sich von dem durchgeknallten Theater-Noise-Rock der aus Mexiko stammenden Descartes a Kant überraschen oder vom Folk-Charme von Stella Donnelly beeindrucken. Leise Musikerinnen wie Julien Baker oder Aldous Harding hatten es nicht so leicht, mit ihren Folkvariationen gegen den alkoholisierten Festivalpegel anzukommen.

Kein Problem war das für den Saxofonisten Shabaka Hutchings, der mit Sons Of Kemet an der Seite von vier Schlagzeugern und einem Tuba-Spieler und bei The Comet Is Coming begleitet von Synthesizer und Drums zwei energetische Zukunftsvisionen für Gegenwartsjazz entwarf. Vom Punk infiltrierte Bands wie Parquet Courts, Fontaines D.C., La Dispute oder Amyl & The Sniffers passten ohnehin exzellent zum die soziale Gegenwart fixierenden Roskilde-Programm.

Foto der Musikerin Aldous Harding und ihrer Band beim Auftritt auf dem Roskilde Festival

Die neuseeländische Musikerin Aldous Harding und ihre Band verzauberten mit zarten Folk-Melodien (Foto: Götz Adler)

Bemerkenswert auch wieder die vielen Brücken, die das Festival in die Welt schlug, ob mit dem Tuareg-Blues von Bombino, dem Tropicália-Sound des brasilianischen Musikers Jorge Ben Jor, Psychedelic-Rock von den Japanern Kikagaku Moyo oder dem von karibischen Rhythmen, Yoruba-Musik und Electronica durchsetzten Sound der puertoricanischen Band Ifé.

Die Nächte endeten zumeist nicht gerade zimperlich mit den vor dunkler Energie strotzenden Death Grips, die Punk, Grindcore und HipHop verbinden, oder beim experimentellen Duo 700 Bliss und seinem dystopischen Auftritt zwischen Noise, Verzerrungen, cluborientierter Electronica und den improvisierten Filter-Rap-Laments von Moor Mother.

Einen Nachschlag zum Festival gibt es am 16. Juli um 20 Uhr bei Götz Adler in seiner Sendung Die Welt ist eine Scheibe.

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