The B-52’s: Debütalbum wird 40 Jahre alt

Cover des selbstbetitelten Debütalbums von The B-52's

The B-52’s – „The B-52’s“ (Warner)

Freundinnen und Freunde des stilvollen Mischkonsums wissen: Der „Flaming Volcano“ ist einer der abenteuerlicheren Drinks der Cocktail-Welt. Eine schnelle Recherche ergibt folgendes Rezept: Sechs Unzen Orangensaft. Eis. Ein paar Kirschen. Jeweils eine Unze Rum, Wodka, Gin, Brandy, hochprozentigen Bacardi 151, Granatapfelsaft. Und dann wird das alles angezündet. Damit der Kater nicht so schlimm wird, wird der Drink gerne mit mehreren Strohhalmen geteilt.

Der Legende nach teilten sich Kate Pierson, Fred Schneider, Keith Strickland und die Geschwister Cindy und Ricky Wilson diesen Drink an einem Abend im Jahr 1976. Es war in einem chinesischen Restaurant in ihrer Heimatstadt Athens, Georgia. Das Geld war knapp und so entschloss man sich, anstatt fünf Mahlzeiten einen gigantischen Flaming Volcano zu teilen. Angeschwipst zogen die fünf zu einer Jam-Session und begannen, miteinander angeschwipste Tanz-Musik zu spielen. Bald waren sie eine Band. Der Name: The B-52’s, nach dem Spitznamen einer turmhohen Beehive-Frisur aus den frühen 60er-Jahren, die wiederum nach einem Langstreckenbomber der US-Luftwaffe benannt wurde. Heute vor 40 Jahren, am 6. Juli 1979, veröffentlichten sie ihr selbstbetiteltes Debütalbum. Eine Sammlung von Songs, genauso bunt und feurig wie der verhängnisvolle Drink.

Mit den Hüften kreisende Schalentiere und turmhohe Frisuren

Der Opener „Planet Claire“ macht direkt klar, wohin die Reise geht: in unendliche Weiten. Gitarrist Ricky Wilson spielt stoische Rock-n-Roll-Figuren, über die Pierson eine spacige Orgel spielt, die auch aus einem B-Movie-Sci-Fi-Soundtrack hätte stammen können. Die messerscharfen Riffs von „52 Girls“ erinnern hingegen an frühen Surf-Rock. Ein wildes Potpourri aus der Pop-Kultur der späten 50er- und frühen 60er-Jahren, gefiltert durch die nervöse Energie des Punk-Rock. Das polternde Schlagzeug von Strickland sorgt für den nötigen Arschtritt – der die Konzerte der Band in ekstatische Dance-Partys verwandelte.

Wilson und Strickland sorgten für den Groove, das SängerInnen-Trio aus Schneider, Pierson und Cindy Wilson sorgte für den Charme. Drei exzentrische Persönlichkeiten, jede auf ihre eigene Art und Weise ein liebenswerter Freak. Die sich überschlagenden Go-Go-Chöre von Wilson und Pierson. Der hysterische Sprechgesang von Schneider, der ihn manchmal wie einen James-Bond-Bösewicht klingen lässt. Nirgendwo hat diese Band mehr Spaß als in „Rock Lobster“, in dem Schalentiere ihre Hüften kreisen und Katzen um ihr Leben fauchen.

Dieser eigenwillige New Wave machte Athens zu einem „place to be“ – und The B-52’s zu Underground-Stars. Ihre Songs funktionierten genauso gut als pure Tanz-Musik wie als Identifikationsfläche für AußenseiterInnen. Die Nachfolger „Wild Planet“ und „Whammy“ wurden noch erfolgreicher als ihr Erstlingswerk. In einer Zeit, in der zahlreiche US-Staaten Homosexualität noch kriminalisierten, waren The B-52’s kompromisslos queer – und die Welt tanzte dazu. Ihr Cocktail war einfach zu aufregend, um zu widerstehen.

Auch Christian Tjaben hat sich in seiner Sendung School Of Rock bereits ausführlich mit der US-Band befasst. Mitglieder im Förderverein „Freunde von ByteFM“ können die Ausgabe vom 8. April 2018 im ByteFM Archiv nachhören.

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