The Go! Team – "Rolling Blackouts"

VÖ: 28.01.2011
Web: http://www.myspace.com/thegoteam
Label: PIAS

Manche Leute essen Käse mit Schokolade. Anderen dreht sich allein bei dem Gedanken daran der Magen um. Wie soll sowas zusammenpassen?
Wenn es ein musikalisches Pendant zu Käse-Schokolade gibt, dann ist es wohl das Go! Team aus dem englischen Brighton. Auch sie haben einen Hang zum Mixen von Zutaten, die zumindest auf den ersten Blick nicht zusammenpassen. Schon auf ihren ersten beiden Alben vermischte das Sextett so ziemlich jedes denkbare Genre zu einem ganz eigenen und überraschend in sich stimmigen Stil. Wer hätte gedacht, dass man weiblichen Rapgesang, 60s Pop, 70s Funk, Bläser und Sonic Youth so gut verbinden kann? „ Mich haben schon immer Collagen fasziniert und die Idee, mehrere Jahrzehnte in einem Song zusammenzufassen, z.B. ein Drumbreak aus den 50ern mit einem Elektrobeat”, sagt Ian Parton, der Kopf des Go! Teams, zum Konzept der Band. Das Ergebnis war sowohl auf dem Debüt „Thunder, Lightning, Strike“ als auch auf dem Nachfolger „Proof Of Youth“ unglaublich euphorisierend.

Während die ersten beiden Alben des Go! Teams fast durchgängig wie ein Schlag ins Gesicht wirkten, gibt es auf dem neuen Album „Rolling Blackouts“ hin und wieder Verschnaufpausen. Zwar beginnt die Platte mit dem Go! Team typischen T.O.R.N.A.D.O., doch dazwischen tummeln sich mit instrumentalen Stücken wie der Klavierballade (!) „Lazy Poltergeist“ und den soundtrackhaften „Yosemite Theme“ und „Super Triangle“ sehr ruhige und zurückhaltende Songs, die dem sowieso schon unglaublichen Repertoire des Go! Teams noch ein paar Genres mehr hinzufügen.

Doch nicht nur der Eklektizismus hat auf „Rolling Blackouts“ zugenommen. Zwar basiert die Musik der Engländer immer noch größtenteils auf Samples, doch der Anteil der Liveaufnahmen hat sich bei diesem Album um einiges gesteigert. Für „Rolling Blackouts“ hat sich das Go! Team sogar eine Blaskapelle ins Studio eingeladen, die auf mehreren Songs zu hören ist. Aber natürlich haben sie sich dafür keine professionellen Studiomusiker besorgt. „Es waren alles 16-, 17-jährige Jugendliche. Wir wollten absichtlich keine Studiomusiker, um diesen leicht amateurhaften und etwas verstimmten Sound zu bekommen. Ich finde es spannender, wenn es nicht so professionell ist und habe eigentlich immer nur ‚Lauter! Lauter! Lauter!‘ gerufen.”

Neben der Jugend-Blaskapelle gibt es auf dem neuen Album des Go! Teams noch ein paar weitere Gäste. „Secretary Song” leiht Satomi Matsuzaki von Deerhoof ihre Stimme, und auf “Buy Nothing Day“ ist Bethany Cosentino von Best Coast zu hören. Wie es zu dieser Zusammenarbeit kam, erklärt Ian Parton. “Wir haben den Song vor über einem Jahr aufgenommen, bevor sie ihre Platte veröffentlicht hat und es diesen Hype um sie gab. Wir sind also nicht auf irgendeinen Zug aufgesprungen, wie manche jetzt denken. Ich hatte den Song fertig und suchte noch eine Stimme, die dazu passt. Da habe ich auf Myspace zufällig Beth gehört, und ihre Stimme war einfach perfekt.”

Wenn man mit so vielen Genres und Stilen arbeitet wie das Go! Team, kann das sehr leicht schief gehen. Doch egal ob HipHip, 60s Pop, Spaghettiwestern oder Instrumentals – die Band liefert mit „Rolling Blackouts“ ein kohärentes und (wie es sich für das Go! Team gehört) ansteckend fröhliches Album.
Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Das ByteFM Magazin am Abend läuft dreimal in der Woche: montags, mittwochs und freitags. Dann jeweils ab 19 Uhr und garantiert auch einem Song aus dem Album der Woche. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland – der Sendung mit den neuen Platten.

Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher Unterstützung von Panasonic.

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Diskussionen

0 Kommentare
  1. posted by
    “Wir sind die Teletubbies.” The Go! Team im Interview : ByteFM Magazin
    Jan 27, 2011 Reply

    […] Von der Energie des Go! Teams könnt Ihr Euch diesen März selbst überzeugen. Dann tourt die Band nämlich durch Deutschland, präsentiert von ByteFM. Die Rezension zum Album “Rolling Blackouts”, unserem Album der Woche, findet Ihr hier. […]

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