Tina Turner wird 80: Die „Queen Of Rock ‘n‘ Roll“ in fünf Songs

Foto von Tina Turner

Tina Turner

„We never ever do nothing nice and easy“, sagt Tina Turner im Intro von „Proud Mary“. Es ist das Jahr 1971. Die Farmerstochter aus Nutbush, Tennessee hat gerade an der Seite ihres Ehemanns und musikalischen Partners Ike Turner den Olymp des Soul und R&B erklommen. Ihr Song ist auf Platz vier der Billboard Hot 100, das Publikum liegt ihr zu Füßen.

Doch es war wirklich nie alles nice oder easy für Turner. „Ich hatte ein schreckliches Leben“, sagte sie vor wenigen Monaten in einem Interview für die New York Times, „Ich habe einfach immer weiter gemacht. Und gehofft, dass irgendwas besseres kommen wird.“ Ike Turner ebnete ihr den Weg zum Ruhm, doch seine Anfälle von häuslicher Gewalt und sein Kontrollzwang trieben ihr fast die Liebe zur Musik aus.

Aber nur fast. Nach dem Ende ihrer gewaltsamen Ehe machte Tina Turner weiter, alleine. Und triumphierte. Im Vergleich zu ihrem Solo-Comeback, mit dem sie die Pop-Charts der 80er-Jahre dominierte, wirkt ihre Frühphase fast wie eine Fußnote. Mittlerweile ist sie eine der erfolgreichsten Solo-Künstlerinnen aller Zeiten. Am 26. November 2019 wird sie 80 Jahre alt. Wir haben die „Queen Of Rock ‘n‘ Roll“ in fünf Songs porträtiert.

„River Deep – Mountain High“ (1966)

Im Teenageralter, als sie noch als Anna Mae Bullock bekannt war, verbrachte sie viel Zeit in den Nachtclubs von St. Louis. Hier lernte sie ihren zukünftigen Mann Ike Turner kennen. Der Produzent, Songwriter und Gitarrist war Leader der Band Kings Of Rhythm und ließ Bullock gelegentlich ans Mikrofon. Turner erkannte das Potential der jungen Sängerin, überredete sie zu einer professionellen Musik-Karriere – und verpasste ihr ihren Künstlernamen. 1960 zogen sie als Ike and Tina Turner mit „A Fool In Love“ das erste von vielen Malen in die Charts ein. Dank ihrer charakteristischen Raspelstimme war ihnen die Aufmerksamkeit gewiss.

Wie wichtig diese für die Musik des des Ehepaar werden sollte, demonstrierte etwas später der Hit „River Deep – Mountain High“. Dieser wurde von Phil Spector produziert, dessen notorisch ausgewaschener Sound die Stimme der jeweiligen InterpretInnen gerne mit den Instrumenten verschmelzen lässt. Mit selbstverständlicher Leichtigkeit lässt Tina Turner ihr Organ in diesem Song durch Spectors Instrumenten-Meer schießen, singt selbstbewusst gegen seine Wall of Sound an. Spector nannte „River Deep – Mountain High“ den besten Song, an dem er jemals mitgewirkt hat.

„Proud Mary“ (1971)

Im Verlauf ihrer Karriere bewies Turner immer wieder das Talent, Songs anderer KünstlerInnen ein neues Eigenleben zu verschaffen. „Proud Mary“ war schon in seiner ursprünglichen Version von Creedence Clearwater Revival ein Erfolg, in ihren Händen wurde er zur Sensation. Vom bereits erwähnten Spoken-Word-Intro bis zum euphorischen Finale, das sie mit der Energie eines ganzen Gospel-Chors intoniert, zieht Turner alle Register. Wie sie selbst im Intro sagt: „We always do it nice and rough.“

„What‘s Love Got To Do With It?“ (1984)

1976, nach vielen Jahren der körperlichen und seelischen Misshandlung, verließ Tina Turner ihren Mann. Das folgende Jahrzehnt sollte ganz und gar ihr gehören. 1984 veröffentlichte sie ihr fünftes Soloalbum „Private Dancer“, eine der großen Pop-Platten der 80er-Jahre. In Sachen Hitdichte kann sie mit LPs wie „Thriller“ oder „The Joshua Tree“ mithalten: Da wären etwa das sinnliche Al-Green-Cover „Let‘s Stay Together“. Der dramatische Titeltrack. Ihre bedrohliche Version von „I Can‘t Stand The Rain“. Und über allem thronend „What‘s Love Got To Do With It?“, ihr bis dato größter Hit. Turner singt die Hookline mit einer Mischung aus Leidenschaft und Abgebrühtheit – die andeutet, dass diese Frau weiß, wovon sie da singt. „Who needs a heart when a heart can be broken?“

„The Best“ (1989)

Turners Chart-Dominanz hörte auch in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts nicht auf. „The Best“, erschienen auf ihrem siebten Album „Foreign Affair“, ist bis heute nicht aus dem Hitradio wegzudenken. Ein fast schon unverschämt käsiges Stück Blockbuster-Pop, in dem Turner den schwierigen Drahtseilakt zwischen ehrlicher Euphorie und großer Pop-Performance kinderleicht wirken lässt.

„GoldenEye“ (1995)

„GoldenEye“ war einer von Turners letzten Hits, bevor sie sich 2000 in den wohlverdienten Ruhestand zurückzog. In dem Song laufen viele seltsame Fäden zusammen: Ein James-Bond-Song, geschrieben von den U2-Masterminds Bono und The Edge, produziert von Nellee Hooper, der normalerweise für seine Arbeiten mit KünstlerInnen wie Björk oder Massive Attack und nicht sein Händchen für Pop-Spektakel bekannt ist. Wahrscheinlich könnte nur Turner dieses seltsame Gewirr entknäueln. „GoldenEye“ ist einer ihrer vielen Triumphe, ein sich stetig weiter aufbauendes Pop-Drama, das bis zum Fadeout keine Chance zum Ausatmen bietet. In der Bridge kanalisiert sie den Glamour einer Shirley Bassey, nur um im Refrain das Raspeln auszupacken, das sie zum Star machte.

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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